Ein Underdog, konzipiert für britisches Extremwetter – wie verhält sich die OMM Ultrafire 5 Vest auf dem europäischen Festland?
Die Marke OMM (Original Mountain Marathon) gründete sich aus dem Karrimor International Mountain Marathon (kurz KIMM), einem jährlich ausgetragenen Rennen, das jeden Oktober in einer anderen Region in UK stattfindet.
Erstmals 1968 gestartet, lockt der Original Mountain Marathon bis heute zahlreiche Läuferinnen und Läufer an, um sich ca. 84 km, gelaufen bei teilweise extremen Bedingungen, wie sie ein Tag im britischen Oktober mit sich bringen kann, zu stellen.
Als über die Jahre die angebotene Ausrüstung auf dem Markt nicht mehr ausreichte, entschlossen sich die Veranstalter des OMM einfach dazu, ihre eigene Ausrüstung zu entwickeln. Geboren war die OMM-Produktpalette – Produkte, die sich in den britischen Fells zu Hause fühlen, ausgelegt, um leicht und schnell über die Highlands zu laufen. Nachhaltigkeit, Ökologie und Wiederverwendbarkeit spielen dabei für das Unternehmen ebenso eine große Rolle wie der Grundsatz, für die extremsten Bedingungen in den Bergen gerüstet zu sein.
Mit der OMM Ultrafire 5 Vest bietet der Hersteller jetzt eine leichte Laufweste mit 5 Litern Gesamtvolumen an, die speziell für längere Trainingsläufe, Ultra-Trails oder Wettkämpfe entwickelt wurde.
OMM Ultrafire 5 Vest: Die Daten im Überblick
- Hersteller: OMM (Original Mountain Marathon)
- Modell: Ultrafire 5 Vest
- Empf. Verkaufspreis: 125 €
- Gewicht: ca. 220 g bei Größe M
- Kapazität: 5-Liter-Rolltop-Tasche
- Anzahl Taschen 7 Taschen: gesamt (2× Reißverschluss)
- Materialien: 3D-Mesh-Harness, Stretch-Mesh, Nylon 210T
- Trinksystem: 2× Front-Softflasks (bis 500 ml), Trinkblase (bis 1.000 ml)
Der erste Eindruck: Cleanes Design mit innovativer Rolltop-Tasche
Die Trailweste wirkt auf den ersten Blick sehr clean und aufgeräumt. Kein Gummiband zu viel, keine Taschen oder Verschlüsse, bei denen man erst das Benutzerhandbuch lesen müsste, um ihre korrekte Verwendung herauszufinden.
Was sofort ins Auge sticht, ist das Design der Rolltop-Tasche. Man kennt dieses Konzept mittlerweile von Fahrradgepäcktaschen oder Rucksäcken im urbanen Einsatz für Arbeit oder Freizeit. Bei Laufrücksäcken hat sich diese Idee aber (noch) nicht so richtig durchgesetzt. Auf jeden Fall ein innovativer Ansatz, der sich jetzt auf den Trails beweisen muss.
Auch bei den Flasks gibt es eine kleine, aber nicht unbedeutende Abweichung vom „normalen Standard“: OMM setzt nicht auf die üblichen Volumengrößen wie z. B. 250 ml oder 500 ml, sondern geht auch dort eigene Wege. Die Weste kommt nämlich mit zwei 350-ml-Flasks – dazu später mehr.
Allgemein lässt sich jedoch feststellen, dass hier simple Funktionalität und ein intuitives Bedienkonzept offensichtlich an erster Stelle stehen. Die Materialien sind hochwertig und gut verarbeitet. Damit macht die Trailweste optisch auf jeden Fall einen großartigen ersten Eindruck.
OMM Ultrafire 5 Vest auf dem Trail: Der Praxistest
Wir haben die Weste über mehrere Kilometer durch die Wälder der schwäbischen Ostalb gejagt. Und leider hat sich dabei der erste, großartige optische Eindruck nicht bestätigt. Warum, das möchte ich jetzt im Detail erklären.
Sich mit einer neuen Laufweste vertraut zu machen, ist erst einmal nicht leicht. Hat man einmal sein Lieblingsprodukt gefunden, ist es schwer, von diesen Gewohnheiten wieder wegzukommen. Zum Glück folgen viele Laufwesten aber einem vergleichbaren Aufbau und Bedienkonzept, sodass mit der Zeit der Umstieg gelingen kann.
Jedoch hat sich bei mir nach 3 Wochen und ca. 80–100 gemeinsamen Kilometern immer noch kein freundschaftliches Band geknüpft. Zu unterschiedlich sind dabei unsere Vorstellungen von Passform, Aufbau und Handling.
Dabei hat das erste Anziehen durchaus ein positives Tragegefühl vermittelt. Das 3D-Mesh schmiegt sich gut an den Oberkörper an und die Grundpassform ist angenehm. Sobald es jedoch auf die Strecke geht und die Weste unter realen Bedingungen belastet wird, offenbaren sich im Detail gravierende Schwachstellen.
Druckpunkt am oberen Schnellverschluss
Ein wesentlicher Kritikpunkt betrifft die Befestigungsösen des Gummibands am oberen Schnellverschluss vorne. Die Verankerung der Ösen an der Weste ist hart und wenig nachgiebig konstruiert: Unter Zug biegen sich die Ösen unter dem Mesh nach innen in Richtung Brustkorb. Dadurch entsteht ein harter, unangenehmer Druckpunkt direkt auf der Brust, der bereits nach wenigen Kilometern schmerzhaft wird und den Laufkomfort massiv beeinträchtigt.
Vorderes Verschlusssystem & unterer Gurt
Auch die Einstellbarkeit der Passform über die vorderen Gurte überzeugt im Test nicht voll. Der obere Verschluss benötigt viel Fingerspitzengefühl bei der Einstellung. Das Konzept ist eigentlich intuitiv, aber die Bedienbarkeit ist eben sehr schlecht – ein schnelles Nachjustieren während des Laufens ist nahezu unmöglich und erfordert meiner Meinung nach vorheriges Üben im Stand.
Der untere Brustgurt ist als starrer Gurt mit einem einfachen Klick-Verschluss ausgeführt. Grundsätzlich schließt dieser zuverlässig, allerdings schränkt ein zu enges Festziehen die natürliche Atmung und vor allem das tiefe Luftholen spürbar ein. Lässt man den Gurt etwas lockerer, wäre das Problem gelöst – leider sitzt dann aber die gesamte Weste nicht mehr gut am Körper. Zudem hüpfen die losen Gurtenden beim Laufen unkontrolliert auf und ab. Da keine Fixierungsschlaufen vorhanden sind, geht dieses ständige Baumeln auf Dauer extrem auf die Nerven.
Hydration & Softflask-Taschen im Test
OMM gibt an, dass die Fronttaschen für zwei Softflasks mit bis zu 500 ml ausgelegt sind. Im Praxistest hat sich dies jedoch auch als Fehlkonstruktion erwiesen:
- 350-ml-Softflasks (mitgeliefert): Die Weste ist primär für diese kleineren Flasks konstruiert. Hier passt die Höhe halbwegs, allerdings stehen selbst vollgefüllte 350-ml-Flasks etwas vom Körper ab und hüpfen bei jedem Schritt spürbar mit. Dabei wölbt sich sogar der Träger der Weste ein klein wenig nach außen – ich würde sagen, die Einschubtaschen sind schlichtweg zu klein.
- 500-ml-Softflasks: Der Einsatz normaler 500-ml-Flasks ist, wenn man die Verwendung der 350-ml-Flasks davor schon getestet hat, eigentlich unmöglich. Ich habe es trotzdem getestet, und siehe da: Sie ragen viel zu weit nach oben heraus und hängen beinahe im Gesicht. Bei schnellen Downhills bzw. langen Schritten mit viel Wucht auf den Boden schlagen sie teilweise sogar von unten gegen den Kiefer – ein absolutes No-Go in Komfort und Handling. Ich musste das Tempo dann drosseln, damit die Flasks auch nicht herausfallen.
Hydration & Hauptfach & Stauraum auf dem Rücken-Taschen im Test
Positiv hervorzuheben ist das hintere Rolltop-Hauptfach. Es bietet für eine 5-Liter-Weste überraschend viel Platz für alles, was man an einem langen Tag auf den Trails so braucht. Das Nylon-Material ist laut Hersteller wasserabweisend, was den Inhalt vor Schweiß und leichtem Regen schützt (ob die Imprägnierung dauerhaft hält, bleibt abzuwarten).
Der Verschluss des Rolltop-Fachs ist aber auch wieder so eine Sache: Meines Erachtens bleibt zu wenig Material, um den Verschluss wirklich „aufzurollen“ und damit sicher zu verschließen. Mehr als eine Umdrehung bekomme ich auf jeden Fall nicht hin – und die ist nach wenigen Metern, sobald man losläuft, schon wieder offen, sodass das Hauptfach nicht mehr sicher geschlossen ist.
Sehr gut gelöst ist das Gummiband mit Verschluss, das über das Hauptfach gespannt ist. Damit lässt sich alles bequem festzurren, sodass das Gepäck nah am Schwerpunkt des Körpers bleibt. Ein kleiner Wermutstropfen: Das Hauptfach ist nicht untergliedert, sondern besteht aus einer großen Tasche. Ohne das externe Gummiband würde der Inhalt unvermeidlich hin- und herwackeln.
Taschenaufteilung & Detaillösungen
Insgesamt stehen 7 Taschen zur Verfügung, darunter zwei mit Reißverschluss, um wichtige Sachen sicher zu verstauen. Leider zeigt sich auch hier eine Detailschwäche: Die Zipper der Reißverschlüsse schließen mit recht schweren Kunststoffteilen ab. Beim Laufen baumeln diese kontinuierlich hoch und runter und erzeugen ein störendes, klopfendes Geräusch. Zudem fehlen jegliche Verstaumöglichkeiten oder Schlaufen für Trailrunning-Stöcke (keine Ahnung, vielleicht sind Stöcke in GB einfach nicht so populär wie im Rest der Welt 😉).
Vor- und Nachteile der OMM Ultrafire 5 Vest im Überblick
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Gute grundlegende Passform & angenehmes Mesh-Material | Ösen der oberen Verschluss-Schnur drücken schmerzhaft auf die Brust |
| Sehr geräumiges 5-l-Hauptfach mit dichtem Rolltop-Verschluss | Volle Softflasks (auch 350 ml) stehen ab und fangen an zu hüpfen; Träger wölbt sich etwas |
| Effektives externes Kompressions-Gummiband am Rücken (Rolltop-Tasche) | 500-ml-Flasks hängen zu hoch & schlagen am Kiefer an |
| Gute Gesamtzahl an Taschen (7 Stück, 2× mit Reißverschluss) | Unterer starrer Gurt schränkt Atmung ein; lose Enden baumeln |
| Wasserabweisendes Hauptfach schützt vor Schweiß | Keine Befestigungsmöglichkeit für Trailrunning-Stöcke |
| Schwere Kunststoff-Zipper erzeugen störende Klopfgeräusche | |
| Verschlusssystem nur mit Fingerspitzengefühl einstellbar, eher kompliziert |
Fazit: Lohnt sich die OMM Ultrafire 5 Vest?
Die OMM Ultrafire 5 Vest hinterlässt im Testzeitraum bei mir eher gemischte Gefühle. Auf der Habenseite steht eine solide Materialverarbeitung, ein wirklich geräumiges Rolltop-Hauptfach mit guter Aufbewahrungsmöglichkeit sowie ein ordentliches Grundtragegefühl.
Demgegenüber stehen jedoch deutliche Konstruktionsmängel in der Ergonomie unter Last: Die sich nach innen biegenden Ösen verursachen (auf jeden Fall bei mir!) schmerzhafte Druckpunkte auf der Brust, die Flask-Taschen halten weder 350-ml- noch 500-ml-Flaschen stabil am Körper, und das starre Gurtsystem überzeugt weder im Handling noch im Atemkomfort.
Wer eine Laufweste für längere Trails sucht, Stöcke mitführen möchte oder viel Wert auf ausgereifte Detaillösungen legt, wird mit der Ultrafire 5 in der aktuellen Ausführung vermutlich nicht vollends glücklich werden.
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Quellenangaben und Querverweise:
- Fotos und Text: Markus Attenhauser


