Knapp 30 Kilometer, rund 1.900 Höhenmeter, seilgesicherte Felspassagen und gerade einmal 54 von 86 angemeldeten Läufern an der Startlinie: Der Karawanken Löwen Trail in Kärnten ist definitiv kein großes Trailrunning-Event. Zum Glück. Denn genau darin liegt seine Stärke und macht für mich seinen besonderen Charme aus.
Vor dem Start: Ankommen, Startnummer holen, los geht’s
Schon im Vorfeld fühlt man sich bestens aufgehoben. Regelmäßige E-Mail-Updates und eine eigene WhatsApp-Gruppe sorgen dafür, dass man immer gut informiert und entspannt an den Start geht.
Einen organisatorischen Punkt sollte man allerdings beachten: Start und Ziel liegen nicht am selben Ort. Dafür bringt am Morgen ein kostenloser Shuttle die Läufer vom Zielbereich (mit ausreichend Parkplätzen) direkt zum Start.
Auch die Startnummernausgabe am Vortag oder Rennmorgen läuft völlig unkompliziert: Keine Hektik, keine langen Schlangen und viele freundliche Helfer. Im Starterbeutel stecken neben einem T-Shirt und einem Erfrischungstuch noch praktische Kleinigkeiten wie Magnesium und Sportsalbe.
Auf der Strecke: Vom Waldtrail in die Felsenwelt
Samstag, 8:30 Uhr: Irgendwo im Nirgendwo treffen langsam die ersten Läufer ein. Um 8:45 Uhr folgt direkt an der Startlinie ein kurzes Racebriefing: grober Streckenverlauf, Schlüsselstellen sowie Hinweise zu den seilgesicherten Passagen inklusive Überholverbot. An den technischen Stellen ist die Bergwacht vor Ort.
Dann läuft der Countdown. 9:00 Uhr – Start! Nach einem angenehmen Stück zum Einlaufen über die Märchenwiese verschwinden wir im Wald und gewinnen schnell ordentlich an Höhe. Der Forstweganteil hält sich erfreulich in Grenzen. Stattdessen geht es über schmale Waldtrails immer weiter bergauf, bis die ersten Felsen auftauchen.
Wenig später stehen wir vor der ersten seilgesicherten Passage. Unten und oben überwacht die Bergwacht das Geschehen. Die Felsen sind griffig und überhaupt nicht speckig. Mit Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ist die Passage gut machbar. Schnell wird klar: Das hier ist kein gemütlicher Landschaftslauf. Danach wartet ein richtig schöner, flowiger Trail – genau das Richtige nach der Kletterei.
Kurz darauf folgt die erste Verpflegungsstation (VP1) mit Wasser und Iso. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht, denn schon wartet der nächste seilgesicherte Abschnitt. Wieder Fels, wieder Seil, wieder volle Konzentration. Und danach verändert sich die Landschaft endgültig.
Mondlandschaft mit Blick nach Slowenien
Vor uns liegt eine Art Mondlandschaft: Felsen, soweit das Auge reicht, dazwischen geht es steil nach oben. Auch hier ist die Bergwacht im Einsatz. Und dann ist man oben.
Der Blick reicht hinüber nach Slowenien, Richtung Bled und Bleder See. Das Wetter ist etwas diesig und die Fernsicht entsprechend eingeschränkt. Irgendwo ganz hinten am Horizont frage ich mich tatsächlich, ob ich dort vielleicht sogar das Meer erahnen kann. Ob es wirklich das Meer war? Keine Ahnung. Aber in diesem Moment fühlt es sich so an.
Nach einem kurzen Downhill beginnt ein wunderschöner Flowtrail am Grat entlang. Laufbar, abwechslungsreich und immer wieder mit einem Panorama, bei dem man eigentlich gerne stehen bleiben würde. Genau das mache ich auch: Kurz stehen, schauen, genießen. Auch das gehört für mich zum Traillaufen.
Auffüllen, durchatmen und weiter
Nach einem weiteren kurzen Anstieg beginnt der längere Downhill zur zweiten Verpflegungsstation (VP2). Und dort wird man perfekt versorgt: Softflask abgeben, Wünsche äußern, und die Helfer kümmern sich um alles. Wasser, Iso, Riegel – alles kein Problem.
Währenddessen kann man selbst kurz durchatmen. Jetzt warten noch einmal rund 500 Höhenmeter. Ein kurzes Stück Forstweg, dann geht es wieder hinein in die Waldtrails. Höhenmeter für Höhenmeter nach oben. Irgendwann ist auch dieser Anstieg geschafft. An der dritten Verpflegungsstation (VP3) weiß man: Jetzt geht es hauptsächlich bergab. Theoretisch zumindest.
Die letzten Kilometer gehören dem Kopf
Die letzten vier Kilometer ziehen sich dann doch gewaltig. „Zach“, würde man bei uns sagen. Der Forstweg ist eigentlich gut laufbar, leicht bergab und nicht zu steil. Aber die Beine sind müde – der Kopf auch. Jetzt bloß nicht mehr stolpern! Immer wieder wandert der Blick auf die Uhr: Wie viele Kilometer noch?
Und dann hört man es in der Ferne: das Ziel. Noch wirkt es weit weg und gleichzeitig schon ganz nah. Zähne zusammenbeißen! Dann geht es durch den Rosengarten Richtung Zielgerade – leicht bergauf natürlich und mit ein paar Stufen versehen. Hier wird einem wirklich nichts geschenkt.
Die Beine brennen, aber dann ist es geschafft: Schon bevor man die Ziellinie sieht, kündigt der Moderator die ankommenden Läufer an. Applaus, Musik und noch einmal richtig gute Stimmung. Die letzten Körner werden aktiviert, und dann ist man da. Medaille um den Hals: Geschafft. Glücklich. Zufrieden. Und irgendwie auch ein bisschen traurig, dass es schon wieder vorbei ist – ein Gefühl, das ich tatsächlich nur beim Trailrunning habe.
Kuchen, Bratwurst und Ćevapčići
Im Ziel warten die Helfer mit Getränken, einem riesigen Kuchenbuffet und einem ordentlichen Finisher-Essen: Nudeln mit Gemüse- oder Bolognesesoße, Ćevapčići oder Bratwurst zur Auswahl. Nach knapp 30 Kilometern und 1.900 Höhenmetern findet hier jeder Magen genau das, was er jetzt braucht.
Verpflegung: Gut geplant ist halb versorgt
Es gibt insgesamt drei Verpflegungsstationen:
-
VP 1: Wasser und Iso
-
VP 2: Wasser, Iso, Obst, Gels und Gummibärchen
-
VP 3: Wasser, Iso, Gels und Gummibärchen
Besonders das Stück bis zur VP 2 ist lang und enthält viele Höhenmeter. Genügend eigene Verpflegung mitzunehmen, ist daher absolut ratsam. Die Helfer vor Ort sind unglaublich freundlich und hilfsbereit. Nichts wirkt anonym oder distanziert – man fühlt sich wie bei Freunden zu Gast.
Fazit: Klein im Format, groß im Erlebnis
Der Karawanken Löwen Trail ist kein Großevent: Keine riesige Expo, keine Menschenmassen und kein Gefühl, nur eine Startnummer unter vielen zu sein. Genau das ist seine Stärke. Die Veranstaltung ist klein, persönlich und herzlich. Die Strecke ist anspruchsvoll, technisch und landschaftlich ein echtes Highlight. Viel Trail, wenig Forstweg und seilgesicherte Passagen bieten die perfekte Portion Abenteuer.
Für absolute Trailrunning-Anfänger ist die lange Distanz allerdings nicht zu empfehlen – alpine Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Grundvoraussetzung. Wer bereits Geländeerfahrung hat und Lust auf einen technischen Berglauf mit ordentlich Höhenmetern mitbringt, wird hier absolut glücklich.
Kleine Minuspunkte gibt es lediglich für die fehlenden Duschen im Ziel und die getrennten Start- und Zielbereiche (wobei Letzteres durch den Shuttle top gelöst ist). Aber ganz ehrlich: Nach dem Lauf in einen der umliegenden Seen zu springen, ist sowieso die bessere Dusche.
Gesamturteil: Absolut empfehlenswert!
Tipp für Einsteiger:
Der Karawanken Löwen Trail & Hike am Sonntag führt durch das schöne Bärental und gilt als idealer Einsteigertrail für alle, die erste Trailluft schnuppern möchten.
Du suchst dein nächstes Trailrace?
Unser Trailrunning Eventkalender bündelt über 180 Trailrunning Events in den Alpenländern und darüber hinaus











