Nach dem Lavaredo war es etwas schwer, die Motivation aufrechtzuerhalten. Die Saison fühlte sich irgendwie abgeschlossen an. Trotzdem wollten wir es uns nicht entgehen lassen, das neue Trailrunning-Event im Harz, den Wildman Harz, zu besuchen – meines Wissens tatsächlich das erste hier bei uns in der Region, das auch als UTMB- und ITRA-Index-Rennen gelistet ist.
Angeboten wurden Strecken von 55 km / 2.100 Hm (Ultra), 35 km / 1.300 Hm (Classic), 20 km / 800 Hm (Fun) sowie 12 km / 500 Hm (Speed) rund um die Harzgemeinde Wildemann bei Goslar. Zwei Kinderläufe mit 3,3 und 1,5 km waren ebenfalls auf dem Plan, sodass insgesamt rund 600 Läuferinnen und Läufer einen Startplatz hatten.
Da die Region im Westharz nur zwischen 400 m und 600 m ü. NN liegt, war klar, dass es immer wieder hoch und runter gehen würde, um auf die Höhenmeter zu kommen. Dies wurde vom Veranstalter ziemlich zuschauerfreundlich umgesetzt, da man immer wieder im Ort ankam, um die nächste Schleife zu starten. Lediglich die „Ultras“ mussten einige Streckenabschnitte doppelt absolvieren.
Holziger Start
Meine Freundin und ich waren ursprünglich für die 35 km gemeldet. Leider ergab es sich aber, dass ein Holzlaster auf der Autobahn meinte, er müsste seine Baumstämme neu sortieren, woraus eine Vollsperrung resultierte.
Über Instagram schrieb ich kurzerhand die Orga um Robert Strecker an, die sofort anbot, uns auf einen späteren Start und damit auf eine kürzere Strecke umzumelden. Heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit mehr – bei anderen Events hätten wir gleich wieder umdrehen können.
Endlich in Wildemann angekommen, holten wir 15 Minuten vor dem Start die Startnummern ab, wurden schnell umgeschrieben und konnten direkt auf die 20-km-Runde gehen. Nach etwa 700 Metern durch den Ort ging es in die Trails und den ersten Anstieg. Nach einem Kilometer und 80 Höhenmetern war man warm genug, um den durchaus steilen Downhill mit Tempo in Angriff nehmen zu können. Die An- und Abstiege im Harz sind sicher nicht lang, dafür aber teilweise knackig mit über 20 % Gefälle an diesem Streckenabschnitt.
Da es die ganze Nacht und den Tag davor geregnet hatte, waren die Singletrails ordentlich aufgeweicht und man merkte, dass die 55k-Läufer schon durch waren. Insgesamt war die Strecke aber nicht technisch schwierig und mit den richtigen Schuhen gut zu laufen.
Auf ein kurzes Flachstück folgte der längste Anstieg des Tages: Über etwas mehr als 2 km mussten 150 Hm überwunden werden. Die Steigungen waren moderat; es wechselten sich wie auf der ganzen Strecke Singletrails und Forstwege ab. Nach ein paar Metern der Erholung folgte wieder eine knackige Rampe zum höchsten Punkt der Strecke auf 560 m.
Danach ging es über 2 km flowigen Downhill zurück in den Ort zur ersten Verpflegungsstelle. Hier konnte man sich nicht beklagen: Wasser, Iso und Cola gab es auch noch für die letzten Läufer, dazu Obst, Nüsse, Gebäck in süß oder salzig und Gummibären im Überfluss.
Ungeplante Hindernisse
Frisch gestärkt ging es in den nächsten kleinen Anstieg, dem ein eher welliger, dafür umso matschigerer Abschnitt folgte. Während ich nur meine Schuhe komplett im Schlamm versenkte, erwischte es meine Freundin weniger gut: Ein simpel anmutender Rutscher sorgte dafür, dass sich ihr Knie leicht verdrehte, was bei etwa der Hälfte der Strecke natürlich Einfluss auf den Rest des Rennens hatte.
Nach einer weiteren VP ging es nochmal gut 2 km bergauf, um 250 Höhenmeter zu überwinden. Auch hier waren wieder Teilstücke dabei, die an die 20 % Steigung heranreichten – Stöcke waren durchaus hilfreich. Der folgende Downhill war sicher einer der schönsten Streckenabschnitte: Teils in Serpentinen ging es auf nur etwas mehr als einem Kilometer wieder runter in den Ort. Das war allerdings nicht so gut für das lädierte Knie, sodass wir langsamer vorankamen als geplant. Sicherheit geht aber immer vor, und ein Zeitziel hatten wir ohnehin nicht. Wir wollten einfach nur einen schönen Tag im Harz verbringen. Das Wetter war nahezu ideal dafür.
Wellig ging es weiter bis zur letzten VP ca. 2 km vor dem Ziel. Auf diesem Teil waren ein, zwei Streckenmarkierungen nicht ganz ideal gesetzt, sodass es nicht nur bei uns zu Verwirrungen kam. Auch an der VP hätte vielleicht ein Streckenposten nochmal sortieren können, da es vorkam, dass Läufer der kurzen Strecken plötzlich den „Ultras“ folgten.
Auf alle, die auf der richtigen Strecke waren, wartete noch eine kleine Schleife mit einer letzten Steigung, um schließlich mit Schwung bergab ins Ziel rollen zu können.
Im Ziel warteten nochmal Getränke und Verpflegung auf alle Finisher. Wer Zeit hatte, konnte den Tag noch bei Grillgut und guten Gesprächen ausklingen lassen.
Fazit … nur positiv!
Abschließend können wir Robert und seinem Team nur ein großes Lob aussprechen:
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Strecken: Wunderschön angelegt und abwechslungsreich.
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Atmosphäre & Ablauf: Super Stimmung, keine Staus auf den Trails (trotz gemeinsamer Streckenabschnitte).
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Verpflegung: Äußerst reichhaltige und gut bestückte VPs.
An den Markierungen kann sicher noch feingeschliffen werden, wobei der Regen über Nacht wahrscheinlich den ein oder anderen Pfeil unleserlich gemacht hat. Mit dem GPX-Track auf der Uhr war man aber schnell wieder auf dem richtigen Pfad. Für die erste Austragung eine rundum gelungene Veranstaltung. Wir kommen gerne wieder!
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Quellenangaben und Querverweise:
- Text und Fotos: Tobias Urban - Trailcompany
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