24 Kilometer, 2.398 Höhenmeter und zum Abschluss eine Gletscherüberquerung: Das Skyrace beim Torlauf Dachstein ist kein Rennen, bei dem man einfach nur Kilometer sammelt. Die Strecke führt von Ramsau am Dachstein über steile Anstiege, felsige Steige und alpines Gelände bis hinauf zum Dachstein-Gletscher.
Für mich war es ein ganz besonderes Rennen. Nach meiner Babypause stand ich erstmals wieder bei einem großen Trailrunning-Event an der Startlinie – und mit dem Torlauf gleich bei einem Rennen, das technisch und konditionell viel fordert. Am Ende standen für mich 4:28:48 Stunden, Platz 68 von 144 Gesamtstarter:innen, Platz 13 in der Damenwertung und Platz 3 in meiner Altersklasse.
Gut organisiert vom ersten Moment
Bereits die Kommunikation im Vorfeld ließ kaum Fragen offen. Der Veranstalter informierte laufend per E-Mail, zusätzlich gab es Briefing-Videos und detaillierte Informationen zur Pflichtausrüstung des Torlauf Dachstein Skyrace.
Meine Startnummer holte ich bereits am Freitag bei Ski-Willi in Schildlehen ab – nachdem ich zunächst beim falschen Ski-Willi neben dem Eventzentrum in Ramsau gelandet war… Die Ausgabe selbst funktionierte schnell und unkompliziert. Im Startersackerl befanden sich unter anderem Startnummer, GPS-Livetracker, Kleidersack für den Transport zum Gletscher, Stirnband, Schlauchschal sowie Gutscheine.
Am Renntag zeigte sich das Eventzentrum bei der Dachsteinbad- und WM-Stadion-Anlage top organisiert. Parkplätze waren ausreichend vorhanden, auch öffentliche Busse fuhren in Richtung Eventzentrum. Spinde und Duschen des Bades konnten kostenlos genutzt werden, größere Wartezeiten gab es kaum.
Die Starts der Läufe folgten gestaffelt. Um 8:30 Uhr fiel schließlich der Startschuss für das Skyrace. Das Wetter war kühl und bedeckt – perfekte Bedingungen für ein langes Bergrennen.
Ein schneller Start bis zur zweiten Kurve
Die Läufer:innen starteten top motiviert mit schnellem Tempo vorweg. Nach der zweiten Kurve gab es dann meinen ersten ungeplanten Zwischenstopp: Schuhband offen. Kein idealer Start, aber noch kein Drama. Die ersten Kilometer führten zunächst relativ schnell und wellig durch Ramsau.
Bis zur Silberkarklamm ging es über laufbare Trails und schnelle Bergab-Passagen. Immer wieder standen Zuschauer an Hotspots der Strecke und feuerten uns an. In der Klamm angekommen, änderte sich das Bild: landschaftlich spektakulär und angenehm kühl, aber durch die vielen Stufen bergauf nur schwer in einen flüssigen Laufrhythmus zu bringen.
Bei Kilometer 9,6 erreichte ich die Silberkarhütte und die erste Labestation. Hier trafen die schnelleren Skyrace-Läufer:innen erstmals auf Teilnehmer:innen des Marathonbewerbs. Entsprechend war viel los an der Labe, und es bildeten sich teilweise kurze Wartezeiten bei den Getränken.
Steil, felsig und immer weiter bergauf
Von der Silberkarhütte ging es weiter hinauf. Steile, felsige Steige forderten zunehmend Kraft und Konzentration. Ich war während des gesamten Rennens mit Stöcken unterwegs – auf den ersten flacheren Kilometern noch nicht unbedingt notwendig, ab dem langen Anstieg aber eine große Hilfe.
Es war ein ständiges Geben und Nehmen am Trail – man überholt andere und wird selbst überholt. Gerade auf den schmalen Wegen funktionierte das überraschend unkompliziert. Die meisten machten Platz, sobald es möglich war, und das Fair Play untereinander war durchgehend spürbar.
Nach rund eineinhalb Stunden setzte leichter Regen ein. Für etwa eine Stunde wurde die Strecke dadurch zusätzlich anspruchsvoll. Felsen und seilversicherte Passagen wurden rutschig, der Wind zunehmend frisch. Auch die Bergrettung war immer wieder an exponierten Punkten positioniert – ein beruhigendes Gefühl in diesem Gelände.
Bei Kilometer 14,8 wartete mit dem Guttenberghaus die zweite und letzte Labestation. Hier war ebenfalls viel Betrieb. Während einige Läufer:innen eine längere Pause einlegten und das Angebot mit Riegeln, Salztabletten, Cola & Co. ausnutzten, füllte ich nur meine Getränke auf und zog weiter Richtung Gruberscharte. Nach einer kurzen Downhillpassage trennten sich die Strecken: Der Marathon führte nach links, das Skyrace bog rechts ab durch das Landfriedtal – hinein in den alpinen Abschnitt.
Jetzt beginnt der alpine Teil
Ab hier wurde das Gelände noch einmal deutlich anspruchsvoller. Der Weg führte über steinige, felsige Trails, teilweise mussten kleinere Passagen auch mit den Händen überwunden werden. Die Markierungen waren dabei hervorragend: Zusätzlich zu den klassischen rot-weißen Wanderwegmarkierungen gab es orangefarbene Punkte und Pfeile sowie eigene Wegweiser für die jeweiligen Bewerbe. Verlaufen war praktisch unmöglich.
Trotzdem zog sich dieser Abschnitt. Man hat das Gefühl, bereits unglaublich weit oben zu sein – und trotzdem ist das Ziel noch nicht zu sehen. Jeder Schritt verlangt Konzentration, besonders wenn die Beine nach mehreren Stunden und fast 2.000 Höhenmetern bereits müde werden. Erst gegen Kilometer 22 kam die Bergstation langsam in Sicht. Davor wartete aber noch das Highlight des Rennens: der Gletscher.
Eis, Wind und die letzten Kräfte
Die letzten Laufmeter Richtung Gletscher sind imposant und beeindruckend, die Vorfreude auf das Abschlusshighlight stieg noch einmal. Kurz vor dem Gletscher wurde es deutlich kälter und exponierter. Jetzt war der Moment gekommen, meine Jacke anzuziehen und die verpflichtenden Grödel über die Schuhe zu ziehen.
Mit schnellen Schritten und zugleich kräftefordernd ging es über ein riesiges Gletscherfeld. Die Stöcke waren hier sehr hilfreich, die Grödel absolut notwendig. Danach wartete der letzte steile Anstieg: Nass, steinig und rutschig führte der Trail bergauf Richtung Ziel.
Während man beim Laufen noch ausreichend warm bleibt, wurde erst beim Blick auf die entgegenkommenden Wanderer klar, wie kalt es hier oben tatsächlich war. Dicke Jacken, lange Hosen und Hauben waren keine Seltenheit. Im Zielbereich herrschten später nur rund drei Grad.
Und dann passierte es: Im steilen, felsigen Abschnitt nach dem Gletscher blieb ich mit dem linken Grödel an der rechten Schuhlasche hängen und stürzte. Knie aufgeschlagen, Blut, kurz die Grödel richten – und weiter. Eine Konkurrentin überholte mich dadurch noch, fragte aber sofort, ob alles in Ordnung sei. Genau diese Momente zeigen, was Trailrunning ausmacht: Konkurrenz und Rennen ja, aber nicht um jeden Preis.
Die letzte Kurve
Der steile Anstieg hatte noch eine letzte Kurve und alle Geräusche kamen näher: Musik, Moderator, Zuschauer, Applaus. Da wusste ich: Jetzt sind es wirklich nur noch wenige Meter. Nach 4:28:48 Stunden bin ich endlich durch das Ziel gelaufen.
Vor Ort war wieder alles top organisiert: Die Medaille wurde überreicht, der Fotograf wartete im Ziel und die Bergrettung kümmerte sich direkt um mein aufgeschlagenes Knie. Nach der Abgabe des GPS-Trackers bekam ich auch meinen zuvor abgegebenen Kleidersack zurück. Erst jetzt, als der Körper langsam zur Ruhe kam, wurde spürbar, wie kalt es tatsächlich war. Im Gletscherrestaurant konnten Gutscheine für Getränke eingelöst werden. Im Anschluss ging es mit den für Läufer reservierten Gondeln unkompliziert zurück ins Tal.
Im Start-Ziel-Bereich wartete schließlich die wohlverdiente Verpflegung. Mit dem Essensgutschein ging es zur Pastaparty im angrenzenden Red Angus. Getränke und ein Foodtruck mit Burgern, Pommes und anderen Speisen ergänzten das Angebot direkt am Eventgelände. Einziger kleiner Verbesserungsvorschlag: Den Getränkegutschein hätte ich gerne auch unten im Zielbereich eingelöst, dieser galt jedoch ausschließlich oben am Gletscher.
Mein Fazit: Ein echtes Skyrace
Der Torlauf Dachstein begeistert. Die Organisation war top, die Kommunikation im Vorfeld professionell und die Strecke spektakulär. Gleichzeitig sollte man dieses Rennen nicht unterschätzen: 2.398 Höhenmeter auf 24 Kilometern (laut meiner Garmin), technisches Gelände, felsige Passagen, exponierte Abschnitte und die Gletscherüberquerung verlangen Erfahrung im alpinen Gelände.
Das Skyrace ist nichts für Trailrunning-Einsteiger:innen. Man sollte trittsicher sein – auch dann noch, wenn die Beine nach mehreren Stunden bereits müde sind.
Würde ich wieder starten? Auf jeden Fall.
Die einzige Frage ist eigentlich nur: Welche Distanz wird es nächstes Jahr?
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