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Dritter Teil der Serie „Das Blut als Trainingspartner“.

Stell dir eine Heizungsanlage vor: Das Thermostat an der Wand meldet „läuft“, aber in den Heizkörpern kommt kaum Wärme an. Genau das kann mit deiner Schilddrüse passieren, während dein TSH-Wert seelenruhig „alles im grünen Bereich“ anzeigt.

Deine Schilddrüse kennt eigentlich drei Gänge: Vollgas, Sparflamme und den Normalbetrieb. Letzterer läuft unbemerkt und unspektakulär im Hintergrund. Die beiden Extreme dagegen machen sich mitten im Alltag und Training bemerkbar – ohne dass du sie auf Anhieb der Schilddrüse zuordnen würdest.

Unterfunktion vs. Überfunktion: Wenn der Stoffwechsel aus dem Takt gerät

Sparflamme (typisch für eine Unterfunktion)

Dein Körper fährt beispielsweise einen Grundlagenblock, aber irgendwer hat heimlich die Heizung heruntergedreht. Acht Stunden Schlaf, die Ernährung ist „eigentlich ganz okay“ – und trotzdem fühlst du dich wie ein Akku, der trotz 100-%-Anzeige nach zwei Klicks schlappmacht. Deine Beine fühlen sich bei lockeren Läufen an, als würdest du durch Beton waten. Nachts kuschelst du dich unter zwei Decken, während deine Partnerin oder dein Partner daneben im T-Shirt schwitzt. Seit dem letzten Herbst erreichst du keine Bestzeiten mehr; deine Form stagniert beharrlich, obwohl du munter weiter Kilometer und Höhenmeter draufpackst.

Hormonell steckt dahinter meist ein niedriges fT3 (die aktive Wärme fehlt) – oft bei normalem oder sogar erniedrigtem TSH und unauffälligem bis leicht erhöhtem fT4. Das heißt: Der Brenner stottert, obwohl genug Heizöl im Tank wäre.

Vollgas (typisch für eine Überfunktion)

Das andere Extrem sieht auf den ersten Blick fast nach einer guten Form aus – ist es bei näherem Hinsehen aber nicht. Dein Puls liegt selbst im lockeren Grundlagentempo spürbar höher als sonst, deine Hände zittern leicht am Start und du schwitzt schon beim Warm-up, als wärst du mitten im Tempolauf. Dazu kommen spürbares Herzklopfen im Ruhezustand sowie Schlafprobleme trotz bleierner Erschöpfung. Zudem sinkt dein Gewicht trotz stabiler Kalorienzufuhr. Vieles davon lässt sich leicht als „Vorstartnervosität“ oder „Übertraining“ abtun.

Hormonell zeigt sich hier meist das Gegenteil: erhöhtes fT3 und/oder fT4, während der TSH-Wert unterdrückt ist. Nach dem Thermostat-Prinzip versucht die Hypophyse so, die überhitzte Heizung zu drosseln.

Das Problem in der Praxis: Beide Personen hören am Ende oft denselben Satz in der Praxis: „TSH-Wert bei 1,8 mU/l – völlig im Normbereich, alles gut.“ Du fühlst dich trotzdem alles andere als gut. Was dir niemand erklärt: Hier wurde nur dein Thermostat kontrolliert, nicht aber die Heizung selbst.

Was ist TSH überhaupt – und warum reicht der Wert allein nicht?

TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) wird nicht in der Schilddrüse selbst gebildet, sondern kommt aus der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Es ist bildlich gesprochen das Thermostat an der Wand und dient als reines Steuersignal: Die Hypophyse schickt TSH los, um die Schilddrüse zur Hormonproduktion anzuweisen.

Ein Thermostat, das brav „Heizen!“ ruft, garantiert jedoch nicht, dass im Wohnzimmer Wärme ankommt. Ob am Ende wirklich geheizt wird, zeigen erst zwei andere Blutwerte:

  • fT4 (freies Thyroxin): Das „Heizöl“, das die Schilddrüse bereitstellt. Es ist der Rohstoff, aber noch nicht die Wärme selbst.

  • fT3 (freies Triiodthyronin): Die tatsächlich erzeugte Wärme – das biologisch aktive Hormon, das in deinen Zellen (u. a. den Mitochondrien) ankommt und dort die Energieproduktion steuert.

Wichtige Basis: Für die Produktion dieser Hormone müssen stets ausreichend Jod und Eiweiß im Körper vorhanden sein.

Warum steht überall ein „frei“ vor T3 und T4?

Nur der ungebundene, „freie“ Anteil (fT3, fT4) kann an die Zellen andocken und wirken. Der gebundene Rest reist lediglich als Reserve im Blut mit. Deshalb sagen die Gesamtwerte T3 und T4 wenig über deine tatsächliche „Heizleistung“ aus. Im Sportlabor sollten daher stets fT3 und fT4 gemessen werden.

Die Umwandlung von fT4 in fT3: Wo der Brenner ins Stottern gerät

Die Umwandlung des inaktiven fT4 in das aktive fT3 erfolgt im Zielgewebe mithilfe spezieller Enzyme (Dejodasen) – gewissermaßen dem Brenner der Heizungsanlage. Genau an dieser Umwandlung hakt es bei Ausdauersportlern häufig, während der TSH-Wert unauffällig bleibt.

Damit diese Enzyme (Dejodasen) reibungslos arbeiten können, benötigen sie essenzielle Cofaktoren:

  • Ferritin (Eisen)

  • Selen

  • Zink

Fehlt einer dieser Nährstoffe, gerät der Umwandlungsschalter ins Stottern. Das erklärt auch, warum ein Ferritinmangel nicht nur den Sauerstofftransport, sondern auf Umwegen direkt die Schilddrüsenfunktion ausbremsen kann.

Warum intensives Ausdauertraining die Schilddrüse ins Wanken bringt

Drei zentrale Mechanismen führen bei Trailrunnern häufig dazu, dass der Stoffwechsel gedrosselt wird:

  1. Belastungsinduzierte Entzündungen: Lange, intensive Einheiten versetzen den Körper in einen Alarmzustand. In diesem Modus fährt der Organismus den Brenner bewusst herunter, um Energie zu sparen – unabhängig von der Kalorienzufuhr.

  2. Mangel an Mikronährstoffen: Ein Mangel an Jod, Zink, Selen und Eisen gilt in der Sportmedizin als eigenständiger Auslöser für Schilddrüsenprobleme bei Athleten.

  3. Chronisches Energiedefizit (RED-S): Bei anhaltend niedriger Energieverfügbarkeit (Relative Energy Deficiency in Sport) schaltet der Körper gezielt in den Sparmodus.

Wichtig: RED-S betrifft keineswegs nur Athletinnen. Die damit verbundene Schilddrüsen-Dysregulation tritt bei männlichen Trailrunnern mit hoher Trainingsbelastung und unzureichender Kalorienzufuhr genauso häufig auf.

Welche Schilddrüsenwerte du als Trailrunner messen lassen solltest

Für eine vollständige Beurteilung der Schilddrüsengesundheit im Ausdauersport benötigst du ein erweitertes Blutbild:

  • TSH: Das Steuersignal der Hypophyse („Thermostat“).

  • fT3: Das biologisch aktive Hormon („aktive Wärme“).

  • fT4: Die Vorstufe des aktiven Hormons („Heizöl“).

  • Cofaktoren: Ferritin, Selen und Zink zur Gewährleistung der Enzymfunktion.

  • Baustoffe: Ausreichende Protein- und Jodzufuhr (Jod am zuverlässigsten im 24-Stunden-Urin messen).

Fazit & Empfehlung für dein Training

Konkret heißt das: Bausteine messen: Selen, Zink, Ferritin, Eiweißstatus und, wenn notwendig Jod (am zuverlässigsten im 24-Stunden-Urin) + TSH, fT3 und fT4 immer gemeinsam messen.
Wie schon in Teil 1 dieser Serie beschrieben, reicht die reine Betrachtung des Standard-Referenzbereichs für Ausdauersportlern nicht aus. Auch bei der Schilddrüse gilt: Ein Wert muss immer im Kontext stehen und gemeinsam mit anderen Werten, deinem aktuellen Trainingsumfang, deiner Energieverfügbarkeit und deinen Symptomen betrachtet werden. Für Trailrunner ist dabei oft ein optimierter, engerer Zielkorridor relevanter als der breite klinische Referenzbereich, der eher darauf ausgelegt ist, eine manifeste Erkrankung auszuschließen als optimale Leistungsfähigkeit abzubilden.
Erst dieses Gesamtbild, nicht die isolierte Thermostat-Zahl von TSH, zeigt, ob die Heizung wirklich funktionstüchtig ist und dich mit Leichtigikeit über die wunderschönen Trails trägt.

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Hier geht’s zu Teil 1 und Teil 2 der Serie „Das Blut als Trainingspartner“.

Quellenangaben und Querverweise:

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