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Anzeige / Werbehinweis: Der Startplatz für diese Event wurde kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf den Bericht und es wurden keine Vorgaben zum Inhalt gemacht.

3Kings3Hills 2026: Mein erster 100-Meiler und der Kampf um Platz 2

168 km zwischen Zweifel, Müdigkeit und Treppchenplatz

Am vergangenen Wochenende stand Haidmühle Kopf: Bereits zum 5. Mal fand das Trailrunning- und Musikfestival 3Kings3Hills im Dreiländereck statt. Insgesamt 1.900 Starter aus 21 Nationen traten an, um sich auf sieben verschiedenen Distanzen (5, 16, 26, 40, 58, 117 km sowie 100 Meilen) ihrer ganz persönlichen Herausforderung zu stellen. Die Königsdisziplin – die 100-Meilen-Strecke – feierte in diesem Jahr ihre Premiere. Und genau dort stand ich an der Startlinie. Eine doppelte Premiere, denn es war auch mein erster offizieller 100-Meiler.

Bereits im vergangenen Jahr war ich in Haidmühle am Start, damals auf der 117-km-Distanz. Wegen eines offiziellen Rennabbruchs war für mich jedoch leider schon nach 100 km Schluss. Ich hatte hier also definitiv noch eine Rechnung offen.

Vor dem Start: Anspannung, Dropbags und das Ungewisse

Am Freitag am frühen Nachmittag holte ich völlig unkompliziert und zügig meine Startunterlagen ab. Auch die Abgabe meiner zwei Dropbags, die bei Kilometer 60 und 110 deponiert wurden, klappte wunderbar. Auf dem Gelände war zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel los, da der Großteil der Läuferinnen und Läufer erst am Samstag auf die kürzeren Strecken ging. Eine kleine Expo gab es ebenfalls.

Der Startschuss fiel pünktlich um 14:00 Uhr. Das Starterfeld war mit 38 Männern und 5 Frauen überschaubar, aber hochkarätig. Ich schaute mich um und fragte mich kurz: Bin ich hier wirklich richtig? Vor mir lagen schließlich 168 km, rund 6.400 Höhenmeter und mindestens eine lange Nacht. Obwohl ich schon längere Distanzen absolviert habe – damals allerdings im Team –, fühlte sich dieser Solostart anders an: größer, ernster und verdammt aufregend. Ich war mächtig nervös.

Erfahrung mit langen Distanzen habe ich. Ich weiß, wie sich viele Stunden in den Beinen anfühlen und dass es irgendwann nicht mehr nur darum geht, schnell zu laufen. Es geht darum, immer weiterzumachen, der Müdigkeit zu trotzen und die Motivation aufrechtzuerhalten.

Die erste große mentale Hürde wartete im Vorfeld in Form des ersten Cut-offs: 16 Stunden für 90 Kilometer. Ist das viel Zeit oder verdammt knapp? Ich konnte dieses Zeitfenster ehrlich gesagt schwer einschätzen, und dieser Gedanke nistete sich fest in meinem Kopf ein. Es blieb nur eines: loslaufen und schauen, was passiert.

Auf der Strecke: Von der Sonnennacht in den Steilhang

Die ersten Kilometer fühlten sich richtig gut an. Die Strecke war hervorragend laufbar, eine abwechslungsreiche Mischung aus breiten Forstwegen und schönen Singletrails. Die Verpflegungsstelle VP1 erreichten wir schneller als gedacht – sicherlich auch dank der netten Gespräche mit Matthias vom UTFS. Die Beine waren frisch, die Landschaft beeindruckend und die Vorstellung, noch weit über 100 Kilometer vor mir zu haben, wirkte surreal. Es fühlte sich noch nicht wie ein 100-Meiler an, sondern eher wie der Beginn eines langen Trailtages.

Doch 168 Kilometer bedeuten Tag und Nacht, Müdigkeit, Höhenmeter, Dunkelheit und irgendwann den Moment, an dem der Kopf mit dem Körper verhandelt.

Kilometer für Kilometer spulte ich ab, teils in wechselnder Begleitung. Bei Kilometer 60 erreichten wir VP4 – Zeit für den ersten Dropbag und eine heiße Suppe. Mein Magen verlangte nach festem Essen. Zeitlich lag ich bestens im Limit. Die heiße Suppe und das Brot schmeckten fantastisch, doch die folgenden 30 Minuten wurden zu einer intensiven Verhandlung mit meinem Magen, ob wir die Nahrung verdauen oder lieber wieder loswerden wollten. Die Verdaulings-Fraktion gewann schließlich, doch leichte Magenprobleme sollten mich mal mehr, mal weniger bis ins Ziel begleiten.

Die Strecke wechselte kontinuierlich zwischen breiten Forstautobahnen und schmalen Trails. Leider musste mein Laufpartner Benjamin, den ich vom letzten Jahr kannte, an der nächsten VP das Rennen vorzeitig beenden. Ab jetzt lief ich alleine weiter, den Cut-off stets im Hinterkopf.

Die Nacht verging wie im Flug und die Müdigkeit hielt sich überraschend in Grenzen. Gut gelaunt erreichte ich VP6 bei Kilometer 90 nach 14 Stunden. Ich war überglücklich über den 2-Stunden-Puffer. Dass mir genau dieser Puffer später das Finish ermöglichen würde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Der VP lag oben am Haidlgipfel beim Aussichtsturm, der mächtig in der Morgendämmerung aufragte. Die „geniale Aussicht“ sparte ich mir allerdings – schließlich lagen noch genügend Höhenmeter vor mir. Es folgte ein schöner, technisch anspruchsvoller Downhill.

Die Streckenführung war traumhaft: tiefe Wälder, romantische Waldseen, eine Baumstammbücherei und sogar ein Kneippbecken. Bei Kilometer 110 erreichten wir wieder Haidmühle. Aus der Ferne hörte man bereits die Moderation vom Sportgelände, da die Starts der kürzeren Distanzen bevorstanden. Am VP gab es den Medical Check, Cut-off Nummer 2 und den zweiten Dropbag. Frisches Shirt, Flaschen aufgefüllt, den Magen beruhigt – und weiter ging es.

Jetzt ging es ans Eingemachte: Der Dreisessel musste von zwei Seiten erklimmt werden. Die Wege wurden schmaler, steiniger und extrem technisch. Der Einstieg in den ersten Uphill war fast alpin – über große Felsblöcke und Wurzelstufen musste man sich teilweise mit beiden Händen hochziehen. Kurz darauf mündete der Weg in einen schmalen, 30 cm breiten Trail. An Rennen war hier nicht zu denken.

Dieser Uphill war mörderisch – nicht nur wegen der Steilheit, sondern weil kurz darauf die Läufer der 40-km-Distanz wie die Heuschrecken von hinten einschlugen. Im Express-Tempo rannten sie an uns vorbei; man hatte kaum Zeit, in die Büsche zu springen. Das kostete unheimlich viel Kraft und Zeit.

Oben am Dreisessel herrschte grandiose Stimmung, was nochmals enorm pushte. Nach einem technischen Downhill folgte der zweite Anstieg über die Skipiste: senkrecht nach oben, feuchter Boden, die Sonne brannte unbarmherzig auf den Kopf. Gefühlt Stunden später stand ich wieder oben. Die aufmunternden Worte an der VP „Ab jetzt geht’s nur noch downhill!“ brachten nur bedingt Linderung, denn meine Oberschenkel waren komplett „tot“ – ich konnte auch bergab nur noch wandern.

Das Queren des Steinernen Meeres – ein riesiges Blockmeer aus gewaltigen Felsen – war landschaftlich DAS Highlight. Richtig genießen konnte ich es allerdings kaum noch: Ich war vollkommen damit beschäftigt, meine wackeligen Beine zu koordinieren, um nicht umzuknicken.

Zurück auf den Forststraßen wurde selbst die kleinste Steigung zur Qual. Der Blick auf die Uhr offenbarte die bitteren Tatsachen: Mein einstiger 2,5-Stunden-Puffer war auf knapp 10 bis 15 Minuten geschrumpft. Die Akkus waren leer, mein Magen verweigerte feste Nahrung. Nur mit Colaschorle und Traubenzucker hielt ich mich auf den Beinen. Hier half mir meine jahrelange Erfahrung aus vorherigen Ultraläufen, um mental stabil zu bleiben.

Im Ziel: Der Kampf um Sekunden und das emotionale Finish

Mit punktgenau 10 Minuten Puffer erreichte ich die letzte Cut-off-VP. Zu diesem Zeitpunkt lag ich bereits seit Kilometer 90 auf dem 2. Gesamtrang der Damen und wähnte mich relativ sicher. Doch dann änderte ein Anruf meines Mannes alles: „Die drittplatzierte Frau sitzt dir direkt im Nacken. Gib Gas, wenn du Platz 2 halten willst!“

Aus den letzten 15 Kilometern wurde ein dramatischer Wettlauf. Kurz darauf hatte sie mich tatsächlich eingeholt. Ich mobilisierte das allerletzte Fältchen Energie und setzte alles auf eine Karte. Den zweiten Platz wollte ich unter keinen Umständen mehr abgeben!

In der einsetzenden Dunkelheit hörte man bereits die Musik und die Durchsagen vom Eventgelände. Ich lag wieder knapp vorne, sah aber das Licht ihrer Stirnlampe im Nacken. Auf dem letzten Kilometer bog ich auf den Sportplatz ein. Der Moderator kündigte die zweitplatzierte Frau der 100 Meilen an, und die Menge tobte. Zwei Läufer der 117-km-Distanz machten mir sogar fair Platz, sodass ich meinen Zieleinlauf in vollen Zügen genießen konnte.

Nach 32:28 Stunden überquerte ich überglücklich und völlig überwältigt die Finishline. Ich hatte es tatsächlich geschafft! Mir wurden der geschnitzte Holzpokal, die Finisher-Medaille und ein Preisgeld von 250 € überreicht. Erst beim Blick in die Ergebnisliste wurde das Ausmaß der Härte klar: Nur 20 der gestarteten 38 Läuferinnen und Läufer erreichten überhaupt das Ziel. Die drittplatzierte Frau lief lediglich eine Minute nach mir über die Ziellinie – was für ein Nervenkitzel!

Fazit: Ein Dankeschön und unvergessliche Erinnerungen

Ein großer Dank gilt dem Veranstalter für diese hervorragend organisierte und abwechslungsreiche Strecke. Sie bot alles, was das Trailrunner-Herz begehrt: technische Downhills, knackige Uphills, entspannte Forstwege zum Kilometersammeln und atemberaubende Panoramaausblicke. Auch die unbemannten Verpflegungsstationen waren perfekt bestückt.

Ein herzliches Dankeschön geht ebenso an alle ehrenamtlichen Helfer sowie an die Bergwacht und den Rettungsdienst, die bei den hochsommerlichen Temperaturen Großartiges geleistet haben.

Mein Resümee: Als eine der wenigen Frauen, die sich an das Abenteuer 100 Meilen gewagt haben, stehe ich nun als Gesamtzweite im Ziel. Die Anfängernervosität vom Freitag ist verflogen. Was bleibt, ist tiefempfundene Dankbarkeit für die magischen Momente auf den Trails, die tolle Unterstützung der Helfer und die Gewissheit: Mein erster 100-Meiler ist nicht nur gefinisht – er ist ein unvergesslicher Erfolg!

Quellenangaben und Querverweise:
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