The North Face Großglockner Ultratrail 2026: Vom Hamburger Flachland auf 57 Kilometer und 3.500 Höhenmeter
Mit der Ausgabe 2026 feierte der Großglockner Ultra-Trail seine Premiere unter dem neuen Veranstalter Zell am See-Kaprun. Gemeinsam mit dem VSF (Verein zur Schaffung spezieller Freizeiteinrichtungen in Kaprun), Co-Veranstalter SALTY Trailrunning und dem neuen Hauptsponsor The North Face wurde ein starkes neues Kapitel für das traditionsreiche Trailrunning-Event aufgeschlagen. Der Zuspruch war groß: Nach rund 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Vorjahr gab es heuer mehr als 2.400 Anmeldungen aus 50 Nationen. Beste Wetterbedingungen sorgten dabei für ideale Voraussetzungen auf den hochalpinen Trails rund um den Großglockner.
Für Trailrunning24 war auf Einladung von The North Face Kirsten am Start des Großglockner Trails. Hier ist ihr Eventbericht:
Der The North Face Großglockner Ultra-Trail (GGUT) zählt zu den bekanntesten und anspruchsvollsten Trailrunning-Events der Alpen. Die spektakulären Strecken führen durch den Nationalpark Hohe Tauern rund um den höchsten Berg Österreichs.
Die Liebe zu den Bergen habe ich schon vor einigen Jahren entdeckt und auch einige Trailruns im alpinen Gelände liegen bereits hinter mir. Der GGT (57 km mit 3.500 Höhenmetern) war für mich dennoch eine ganz besondere Herausforderung: Noch nie bin ich eine so lange Distanz mit so vielen Höhenmetern gelaufen. Zwar hatte ich mich im Vorfeld mit der Strecke und ihren Besonderheiten – allen voran dem berüchtigten Schneefeld – beschäftigt, doch genau das ließ mich zweifeln, ob diese Herausforderung nicht vielleicht doch eine Nummer zu groß für mich ist. Rückblickend bin ich einfach nur dankbar und stolz, dass ich mich ihr gestellt habe. Aber von vorne …
Die Anreise & Expo
Am Donnerstag bin ich von Hamburg mit dem Flugzeug nach München gereist und von dort mit dem Zug weiter über Salzburg und Zell am See bis nach Kaprun. Direkt nach der Ankunft sind wir zum Eventgelände gegangen und haben uns ein wenig auf der Expo umgeschaut. Die Startunterlagen gab es im Flagship Store von Bründl Sports – alles super zentral und unkompliziert organisiert. Unser Hotel war nur fünf Minuten vom Eventgelände entfernt. Am Abend durften wir, auf Einladung von The North Face, noch zum GGUT Get Together und dort schon mal Ida-Sophie Hegemann treffen, die beim OTT (Osttirol Trail) am Samstag an den Start ging. Ein gelungener Auftakt für das Event-Wochenende!
Am nächsten Tag habe ich es erst einmal ruhig angehen lassen. Mit der Gondel ging es ein Stück rauf auf den Berg, um schon mal ein wenig Höhenluft anzuschnuppern – die bekommt man in Hamburg schließlich eher selten. Nach der Pasta-Party im Hotel ging es dann auch früh ins Bett, denn um 5:00 Uhr am Samstag fuhr bereits der Shuttle nach Kals am Großglockner, wo der Startschuss für den GGT fällt.
Auf der Strecke
Der Wecker klingelte um 3:30 Uhr. Nach einem schnellen Frühstück im Hotelzimmer ging es zu Fuß zum Shuttle und kurz darauf saß ich auch schon im Bus nach Kals. Schon während der Fahrt deutete sich an, dass uns ein traumhafter Tag bevorstehen würde. Die Sonne ging langsam auf und ich konnte die wunderschöne Landschaft bewundern.
Wir kamen gegen 6:30 Uhr in Kals an. Dort war genug Zeit für den obligatorischen Toilettengang, den Check der Pflichtausrüstung und alle weiteren Startvorbereitungen. Mein Dropbag konnte ich direkt vor Ort abgeben – dieses wurde zurück nach Kaprun transportiert, sodass ich es im Ziel wieder in Empfang nehmen konnte. Da die Läufer*innen des GGUT und des OTT in Kals Verpflegungsstation (VP) hatten, traf ich dort glücklicherweise noch einmal kurz auf Ida-Sophie Hegemann.
Start bis Glorer Hütte
Dann fiel der Startschuss. Wir drehten eine kurze Runde durch Kals und dann ging es bergauf auf der alten Glocknerstraße Richtung Lucknerhaus. Auf dem Weg hatten wir bereits einen wunderschönen Blick auf den Großglockner. Das Wetter war traumhaft, die Stimmung gut und die Beine einigermaßen frisch.
Nach dem Lucknerhaus folgte ein wunderschöner Trail über Blumenwiesen weiter hoch zur Glorer Hütte. Dort befand sich die erste VP auf 2.642 Metern Höhe. Ich kam trotz eher ruhiger Pace mit ordentlich Puffer vor der Cut-off-Zeit an und konnte in Ruhe meine Getränke auffüllen.




Salmhütte bis Stockerscharte
Von der Glorer Hütte ging es auf einem wahnsinnig schönen Trail weiter zur Salmhütte. Die Bergwacht vor Ort war super freundlich und auch ein wenig überrascht, dass sich eine Hamburgerin an diesen doch sehr anspruchsvollen Trail traut. Nach einem kurzen Schnack ging es weiter auf einem Singletrail mit sensationeller Aussicht zur Stockerscharte. Hier hatte ich im Vorfeld etwas Sorge bezüglich der Schwindelfreiheit, aber das war halb so wild und ich konnte den Trail locker durchlaufen.
Über eine kleine Kuppe wurde es kurz knifflig, da wir uns an einem gesicherten Seil festhalten mussten. Die Bergwacht gab auch hier hilfreiche Anweisungen. Einen Blick nach rechts habe ich mir lieber erspart, denn an dieser Stelle war Schwindelfreiheit definitiv von Vorteil.
Weiter ging es bergauf Richtung Stockerscharte – und was mich hier erwartete, war einfach sensationell: Der Blick auf den Großglockner, die Pasterze und den Stausee hat mich für einen Moment sprachlos gemacht. Ich war einfach nur glücklich. Manche Ausblicke lassen sich kaum in Worte fassen. Ich verbrachte hier etwas mehr Zeit, um dieses Panorama in Fotos und Videos festzuhalten.
Glocknerhaus bis Pfandlscharte
Technisch etwas herausfordernder ging es runter zur Staumauer und hinauf zum Glocknerhaus zur 2. VP. Hier lagen noch 37 Kilometer vor uns.
Der Abschnitt zwischen Kilometer 20 und 30 hatte es gewaltig in sich. Erst ging es ewig lange bergauf, vorbei an einem weiteren Bergsee. Entgegenkommende Wanderer warnten uns amüsiert vor, dass es gleich kalt und rutschig werden würde. Ich hatte die Pfandlscharte und das folgende Schneefeld erst später erwartet, aber plötzlich lag es direkt vor uns.
Da standen wir nun und fragten uns: Was machen wir jetzt? Nach ein paar Schritten auf dem rutschigen Schnee war schnell klar, warum sich bereits eine gut präparierte Rutschbahn gebildet hatte. Also: Ab auf den Po! Wir rutschten schnell und mit überschaubarer Kontrolle hinunter. Nach der zweiten Rutschpartie dachte ich, das Gröbste sei geschafft – weit gefehlt. Jetzt kam die eigentliche Challenge: Das Schneefeld wurde noch steiler. Die Bergwacht hatte Fixseile gespannt, an denen wir uns hinunterhangeln mussten. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam ich unten an – mit leicht zitternden Knien.
Schneefeld-Fakt: Das Schneefeld war schätzungsweise 300 bis 400 Meter lang und hat uns rund 35 Minuten Zeit gekostet.





Downhill bis nach Fusch
Schnee abgeschüttelt und weiter ging es über ein Geröllfeld und einen Flusslauf in einen sehr technischen Downhill. Dieser war zwar wunderschön, für mich aber kaum noch laufbar, da die Beine langsam müde wurden. Der Abschnitt kostete extrem viel Kraft. Ich war heilfroh, als endlich eine normale Forststraße folgte. Von der Trauneralm ging es bergab bis nach Ferleiten. Hier konnte ich wieder gut Tempo aufnehmen und Strecke machen.
In Ferleiten gab es eine kleinere VP mit Getränken. Weiter ging es auf gut laufbarem Forstweg bis zur letzten VP in Fusch. Die Verpflegung dort war wieder hervorragend – mit Suppe, Nudeln, Cola und vielem mehr. Jetzt war ich optimistisch, das Ding sicher nach Hause zu bringen. Doch dann wartete noch ein Uphill, der sich ordentlich in die Länge zog.
Der letzte Downhill nach Kaprun
In der Dämmerung erreichten wir die Höhe über Kaprun und hatten nur noch den finalen Downhill vor uns. Dieser führte durch ein dunkles Waldstück voller Wurzeln und Steine. Mit Stirnlampe ging es gefühlt eine Ewigkeit nach unten. Meine Uhr zeigte bereits 57 Kilometer und der Wald nahm kein Ende – das war mental noch einmal sehr kräftezehrend.
Ich wünschte mir nichts sehnlicher als eine flache Asphaltstraße. Als diese endlich kam, ging es auf die Zielgerade Richtung Kaprun. Kurz vor dem Ziel übersahen wir die letzte Markierung, liefen aber glücklicherweise nur wenige Meter falsch – und dann war es endlich so weit: Nach 14 Stunden und 19 Minuten wurden wir jubelnd im Ziel empfangen!
Im Zielbereich herrschte trotz der späten Stunde eine fantastische Stimmung. Unglaublich dankbar und stolz nahm ich meine Finisher-Medaille entgegen. In diesem Moment fiel die gesamte Anspannung der letzten Stunden ab. Was für ein Erlebnis! Im Zielzelt gab es dann das wohlverdiente Finisher-Bier.
Mein Fazit zum Großglockner Trail (GGT)
Der Großglockner Trail hat mich landschaftlich und emotional absolut begeistert. Die Kombination aus beeindruckenden Ausblicken, abwechslungsreichen Trails und der besonderen Atmosphäre macht dieses Event zu einem unvergesslichen Erlebnis. Für mich war es der mit Abstand anspruchsvollste Lauf, den ich bisher absolviert habe – und gleichzeitig einer der schönsten.
Vielen Dank an The North Face für die Einladung! 🙂
Wichtiger Hinweis: Der GGT ist aus meiner Sicht nichts für Trail-Einsteiger. Wer hier an den Start geht, sollte unbedingt Erfahrung im alpinen Gelände mitbringen und sich auf lange Anstiege sowie technisch anspruchsvolle Downhills einstellen. Besonders das Schneefeld und die ausgesetzten Passagen verlangen durchgehend volle Konzentration und hohe Trittsicherheit.
Quellenangaben und Querverweise:
- Text und Fotos: Kirsten Hücker
- Zur Website des GGUT
- Zur Website von The North Face