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Ein Beitrag von Annabelle Bröstl von unserer Trailcompany:

Wir befinden uns Ende Februar. Die gesamte Trailrunning-Community liegt noch im Winterschlaf. Die gesamte Community? Nein! Ein kleines Dorf im beschaulichen Elsass widersteht dem Winterblues und sorgt dafür, dass Rettungsdecken und Plastikbecher aus der Schublade gekramt, abgestaubt und zum ersten Mal im Jahr als Pflichtausrüstung in den Rucksack gesteckt werden. Rouffach, am Fuße des Petit Ballon, unweit der Grenze zwischen Frankreich und Deutschland, war am ersten Märzwochenende erneut Schauplatz des traditionsreichen Trail du Petit Ballon, bei dem sowohl Eliteläufer als auch Freizeitathleten die Trailsaison bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen über 10 Grad einläuteten.

Der Trail du Petit Ballon wird seit 2004 ehrenamtlich vom CCA Rouffach organisiert und ist längst mehr als ein „Hidden Champion“ unter den Mittelgebirgsläufen. Mit inzwischen 4.500 Teilnehmern, verteilt auf vier Strecken, ist der Lauf nicht nur regelmäßig schnell ausgebucht, sondern diente in diesem Jahr erstmals auch als Sichtungslauf für die deutschen und belgischen Teams für die Trailrunning-Europameisterschaft in Slowenien. Entsprechend hoch war das Tempo an der Spitze – insbesondere auf der längsten Strecke über 52 Kilometer und 2.100 Höhenmeter hinauf auf den Petit Ballon, wo die Platzierungen so umkämpft waren wie selten zuvor.

Weiter hinten im Teilnehmerfeld war ich unterwegs und nehme euch im Folgenden mit auf mein Wettkampfwochenende:

Der Wettkampftag

Sonntagmorgen, 7:30 Uhr. Die Sonne versteckt sich noch hinter den runden Hügeln der Vogesen. In den Straßen hängen keine Nebelschwaden, sondern ein Hauch von „Allez, Allez!“ liegt in der Luft. Im Startblock herrscht ausgelassene Stimmung. Das große Teilnehmerfeld wurde in zwei Gruppen eingeteilt – mit einer Zielzeit unter sechs Stunden und darüber, um den Start etwas zu entzerren. Die Einteilung funktioniert reibungslos und ist nur ein Beispiel für die gelungene Organisation. Im Vorfeld wurde ausführlich – wenn auch ausschließlich auf Französisch, was zu einigen kreativen Übersetzungsversuchen führte – über Startnummernausgabe, Parksituation und Ablauf informiert.

Dann geht es los: in zügigem Tempo und mit den ersten Sonnenstrahlen die Weinberge hinauf. Ein Blick auf das Höhenprofil lässt zunächst vermuten, dass es 23,6 Kilometer am Stück auf den Petit Ballon hinaufgeht – und anschließend in einem langen Downhill zurück ins Tal. Tatsächlich ist die Strecke jedoch deutlich abwechslungsreicher. Die ersten Kilometer sind wellig, mit kleineren Anstiegen und Abstiegen auf Feldwegen und genügend Platz, sodass keine Staus entstehen. Wir laufen durch ein kleines Dorf, umgeben von Weinbergen, in dem gefühlt der halbe Ort mit Kuhglocken für eine großartige Stimmung sorgt. An der ersten Verpflegungsstelle nach zehn Kilometern halte ich kurz an, um zwei Alphornbläser zu fotografieren, die die Morgenstimmung eindrucksvoll untermalen.

Es folgt der stetige Anstieg Richtung Petit Ballon, wechselnd zwischen Singletrails und Forstwegen, teils moderat, teils steiler. Die Vielseitigkeit der Strecke macht den Lauf auch für Einsteiger interessant: schmale, technische Passagen wechseln sich mit breiteren Wegen ab. Das hohe Anfangstempo und die inzwischen spürbaren Temperaturen fordern ihren Tribut. Der Anstieg zieht sich, doch an der zweiten Verpflegungsstelle nach 20,5 Kilometern trägt die Stimmung erneut über die Anstrengung hinweg.

Die letzten Meter durch den Wald fühlen sich zäh an, dann öffnet sich das Gelände, und auf der Rückseite des grasbedeckten Petit Ballon windet sich eine lange Läuferschlange den Berg hinauf. Der Blick hinüber zum Grand Ballon, dem großen Bruder des Petit Ballon, entschädigt für vieles. Die finalen Höhenmeter zum Gipfel sind noch einmal richtig steil, doch oben angekommen wartet ein beeindruckendes Panorama über die Vogesen und das Rheintal.

Ich lasse meinen Blick zum Schwarzwald gleiten und spurte zügig weiter, weil ich mich schon auf den kommenden Abschnitt mit langen Downhills und nur kleinen Gegenanstiegen freue. Größtenteils auf Singletrails geht es weiter, und immer wieder wundere ich mich, dass man sich trotz des regen Verkehrs auf der Strecke eigentlich nie in die Queere kommt. Der letzte kleine Hügel tut besonders weh, aber von Weitem höre ich bereits, wie oben, mitten im Wald, ein Mann Dudelsack spielt. Das finde ich so cool, dass ich nochmal die Zähne zusammenbeiße und bergauf trabe. An ca. dieser Stelle werden auch die Strecken zweier der kürzeren Läufe mit der 53 Kilometer – Strecke zusammengelegt, so dass es wirklich sehr voll auf der Strecke wird. Doch die anderen Läufer sind sehr hilfsbereit und rücksichtsvoll, so dass ich durch ein kurzes „A droite“ oder „A gauche“ auch auf dem Singletrail im Slalom laufend schnell vorankomme. Mittlerweile bewegen wir uns schon paralell zum Rheintal mit Blick auf Rouffach zu, so dass das Ziel in greifbarer Nähe scheint. Ein Stück weiter wartet wieder ein musikalisches Schmankerl: Ein DJ legt mitten im Wald auf und treibt uns zu letzten Höchstleistungen an. Dann geht auch schon der Trail in die Weinberge über und wir laufen wieder auf Feldwegen. Die letzten zwei Kilometer vergehen wie im Flug, auch dank der zahlreichen Zuschauer am Streckenrand.

Zieleinlauf

Der Zieleinlauf ist bittersüß und schmeckt nach Grenadine. Davon stürze ich nämlich direkt 3 Becher herunter, nachdem ich mit weiten Schritten und einem obligatorischen Sprung die Ziellinie freudestrahlend überquert habe. Im Zielbereich bekomme ich direkt einen hochwertigen Finisher-Hoodie überreicht und lasse mich, nachdem ich mich bei den Essens- und Getränkebuden bedient habe, ins Gras fallen. Auch außerhalb des Finisherbereichs ist die Stimmung auf dem Höhepunkt: Auf der Wiese vor der Sporthalle spielt eine Band, es gibt Flammkuchen und frisch gezaptes Bier. In der Sporthalle werden Massagen angeboten und es gibt Kaffee und Kuchen. Eine Trailsaison kann nicht besser starten. Da lässt sich nur noch sagen: A bientôt!

Fazit

Für mich sind Trailläufe in Frankreich immer etwas ganz Besonderes. Die Stimmung ist einfach wahnsinnig gut und die Franzosen haben so eine ansteckende Begeisterung für den Sport. Mein Erlebnis beim Petit Ballon stand dem in Nichts nach. Der Lauf ist ehrenamtlich organisiert, vergleichsweise günstig und perfekt geplant. Er eignet sich gut für Einsteiger, aber auch um mal so richtig Tempo zu geben. Für mich ist es genau diese Mischung aus sportlichem Anspruch und spürbarem Engagement, die den Petit Ballon jetzt schon zu einem echten Saisonhighlight gemacht hat!

Quellenangaben und Querverweise:
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