Eigene Leistung würdigen – wenn andere scheinbar immer „besser“ sind
Profis und angehende Profis laufen weiter, schneller, scheinbar müheloser. Für viele Läufer entsteht dabei schnell das Gefühl, die eigene Leistung sei „nicht genug“ oder „nicht ausreichend“, vielleicht haben die anderen auch mehr Talent als ich selbst. Trotz intensiven Trainings, trotz persönlicher Fortschritte. Doch genau hier lohnt sich ein Perspektivwechsel.
Im Sport allgemein und besonders in Einzelsportarten wie dem Trailrunning, ist der Vergleich mit anderen allgegenwärtig. Das Problem dabei: Wir vergleichen unsere individuelle Realität mit den besten Ausschnitten anderer. Profis trainieren unter völlig anderen Voraussetzungen, verfügen über jahrelange Erfahrung, mehr Regenerationszeit und ein Umfeld, das auf Leistung ausgerichtet ist. Diese Unterschiede werden im Vergleich häufig ausgeblendet.
Sportpsychologisch betrachtet führt ein ständiger äußerer Vergleich dazu, dass die eigene Leistung entwertet wird. Fortschritte werden relativiert, Erfolge kleingeredet. Langfristig kann das die Motivation senken und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schwächen.
Hier kommt das Konzept der Selbstwirksamkeit ins Spiel. Selbstwirksamkeit beschreibt die Überzeugung, aus eigener Kraft Herausforderungen bewältigen und Ziele erreichen zu können. Sie entsteht nicht durch den Vergleich mit anderen, sondern durch eigene Erfahrungen, gemeisterte Situationen und wahrgenommene Fortschritte – unabhängig vom Leistungsniveau.
Wer seine Leistung anerkennen kann, stärkt genau diese Selbstwirksamkeit. Es geht nicht darum, sich mit Profis zu messen, sondern sich mit der eigenen Ausgangslage zu vergleichen: Wo stand ich vor einigen Monaten? Was konnte ich damals noch nicht? Welche Hürden habe ich überwunden? Habe ich meine bereits gesetzten Meilensteine überwunden?
Gerade im Trailrunning sind Leistung und Erfolg nicht eindimensional. Sie zeigen sich auch darin, dranzubleiben, sich durch schwierige Phasen zu kämpfen, nach Rückschlägen wieder anzufangen oder bewusst auf den eigenen Körper zu hören. Diese Aspekte sind mindestens genauso leistungsrelevant wie Zeiten oder Platzierungen.
Anerkennung der eigenen Leistung bedeutet nicht Selbstüberschätzung oder Arroganz. Sie bedeutet, den eigenen Weg ernst zu nehmen. Wer lernt, seine Fortschritte bewusst wahrzunehmen, entwickelt langfristig mehr Stabilität, Motivation und Freude am Sport, unabhängig davon, wer gerade schneller ist.
Eine kleine Reflexionsfrage für dich:
Nimm dir nach deinem nächsten Training oder Wettkampf einen Moment Zeit und frage dich:
„Was habe ich heute geleistet – gemessen an meinen eigenen Voraussetzungen?“
Optional kannst du ergänzen:
- Was ist mir heute gut gelungen?
- Womit bin ich zufrieden?
- Was habe ich gelernt?
Merke:
Deine Leistung wird nicht dadurch kleiner, dass andere weiter vorne sind. Sie gewinnt an Wert, wenn du sie bewusst wahrnimmst und anerkennst.
Wahre sportliche Leistung geht weit über körperliche Stärke hinaus – sie beginnt im Kopf. „You are your only limit.“
Laura Hesse
Quellenangaben und Querverweise:
- Text und Bild: Laura Hesse
