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Wenn die Motivation im Winter verschwindet – das Motivationsloch im Trailrunning

Der Winter ist für viele Trailrunner eine mentale Herausforderung. Die Wettkämpfe liegen weit zurück und bei den meisten noch in weiter Ferne, die Tage sind kurz, das Wetter ungemütlich – und plötzlich fehlt etwas, das uns sonst zuverlässig antreibt: Motivation. Was viele als „Faulheit“ oder „fehlende Disziplin“ bewerten, ist aus sportpsychologischer Sicht ein völlig normales Phänomen.

Motivation ist kein Dauerzustand

Motivation wird häufig als stabile Eigenschaft missverstanden. Tatsächlich ist sie dynamisch und kontextabhängig. Nach der Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan) speist sich nachhaltige Motivation aus drei psychologischen Grundbedürfnissen:

  • Autonomie (ich entscheide selbst),
  • Kompetenz (ich erlebe mich als wirksam),
  • soziale Eingebundenheit.

Im Winter geraten genau diese Faktoren oft ins Wanken. Trainingspläne fühlen sich fremdbestimmt an, Fortschritte sind weniger sichtbar, gemeinsame Läufe finden seltener statt. Die Folge: Die Motivation sinkt – nicht, weil wir „schwach“, „faul“  oder „nachlässig“ sind, sondern weil zentrale Bedürfnisse gerade nicht erfüllt werden.

Das Winterloch als Schutzmechanismus

Aus mentaler Perspektive kann ein Motivationsloch auch eine regulative Funktion haben. Nach intensiven Wettkampfphasen braucht das System – körperlich wie mental – Entlastung. Der Rückgang an Motivation ist dann ein Signal zur Regeneration. Problematisch wird es erst, wenn wir dieses Signal ignorieren und uns mit Druck, Schuldgefühlen oder Selbstkritik weiter antreiben. Das erhöht langfristig das Risiko für Überlastung, Erschöpfung oder Burnout.

Gerade im Trailrunning, wo Identität und Selbstwert häufig eng mit Leistungsfähigkeit und Durchhaltevermögen verknüpft sind, fällt es schwer, einen Gang zurückzuschalten.

Vom Leistungsziel zum Prozessfokus

Ein häufiger Motivationskiller im Winter ist der fehlende Sinn: Keine Startlinie, kein konkretes Ziel. Sportpsychologisch sinnvoll ist hier ein Perspektivwechsel – weg vom Ergebnis, hin zum Prozess.

Statt „Ich muss fit für den Sommer werden“ helfen Fragen wie:

  • Was tut mir im Training gerade gut?
  • Was möchte ich über meinen Körper, meine Technik oder meinen Kopf lernen?

Der Winter eignet sich ideal für Ziele, die im Wettkampfstress oft untergehen: Technik, Kraft, Beweglichkeit, mentale Routinen – oder schlicht Freude an Bewegung ohne Leistungsdruck.
Also warum nicht einmal mehr Wert auf abendliche Dehnübungen und/oder Yoga nehmen?

Motivation folgt Handlung – nicht umgekehrt

Ein zentraler sportpsychologischer Grundsatz lautet: Motivation entsteht häufig erst durch Handlung. Wer darauf wartet, sich motiviert zu fühlen, bevor er oder sie losläuft, wartet im Winter oft lange. Kleine, realistische Handlungsimpulse (z. B. 20 Minuten locker im Wald) können Motivation nachträglich erzeugen. Entscheidend ist dabei die Erfahrung: „Ich war draußen – und es war okay.“

Selbstmitgefühl statt Selbstkritik

Ein weiterer Schlüssel ist der Umgang mit sich selbst. Studien zeigen, dass Selbstmitgefühlleistungsfördernder ist als harte Selbstkritik. Sich ein Motivationstief zuzugestehen („Das ist gerade schwierig – und das darf so sein“) reduziert inneren Widerstand und erleichtert den Wiedereinstieg.

 

Kurze Übung: Mentale Standortbestimmung im Winter (5 Minuten)

Nimm dir nach einem Lauf oder an einem ruhigen Moment kurz Zeit und beantworte schriftlich diese drei Fragen:

  1. Was gibt mir Trailrunning aktuell – unabhängig von Leistung?
    (z. B. Natur, Ruhe, Struktur, soziale Kontakte)
  2. Was raubt mir gerade Energie im Training?
    (z. B. Zeitdruck, Vergleich, Erwartungen)
  3. Was wäre diese Woche ein „guter genug“-Lauf?
    (realistisch, niedrigschwellig, ohne Leistungsanspruch)

Diese Übung schärft die Selbstwahrnehmung und hilft, Motivation nicht zu erzwingen, sondern passend zur aktuellen Lebens- und Trainingsphase neu auszurichten.v

Wahre sportliche Leistung geht weit über körperliche Stärke hinaus – sie beginnt im Kopf. „You are your only limit.“

Quellenangaben und Querverweise:

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