Drei Tage, drei Etappen und unzählige Eindrücke – der 3DiasTrail Ibiza ist weit mehr als nur ein Saisonabschluss. Was auf der Baleareninsel beginnt wie ein spontanes Herbstabenteuer, entpuppt sich schnell als bunte Mischung aus Trailrunning-Freuden, überraschenden Herausforderungen und typisch spanischer Lebenslust. Zwischen nächtlichen Gassen Ibizas, endlosen Küstenpfaden und steilen Anstiegen liegt ein Event, das nicht nur läuferisch, sondern auch atmosphärisch in Erinnerung bleibt. Wie sich meine 3 Tage Trail-Party entwickelt haben, warum mir trotz akribischer Vorbereitung plötzlich Dinge fehlten und welche Höhen und Tiefen mich auf dem Weg begleiteten – all das nehme ich euch in diesem Beitrag mit.
Vor dem Start
Ibiza – rein in den Flieger und los geht’s, oder? Ja, so zumindest hab ich‘s mir gedacht. In der Nebensaison ist man allerdings etwas abhängiger von den Flugzeiten, da einen eben nicht mehr so viele Flieger auf die Insel bringen. Aber gut, zumindest von Veranstalterseite hatte ich alle Informationen schön zusammengefasst in einem Runner’s Guide bekommen. Rechtzeitig und sehr ausführlich, so dass ich am Ende auch alles im Koffer hatte, was ich brauche. Warum mir am Ende dann doch was fehlte, erzähl ich euch später.
Dass auf Ibiza alles ein bisschen anders abläuft, als ich es von Rennen in der Dachregion gewohnt war, wurde mir schnell klar. Aufgrund meines Indexes zählte ich zu den Favoriten, also meldete sich bereits vorab der Veranstalter und wollte ein Interview und eine kurze Filmaufnahme für das catalanische Fernsehen drehen. „Fernsehen?“ – Okaaaay. Das kannte ich vorher, wenn überhaupt, von der Golden Trail World Series und da sprechen wir von einem ganz anderen Niveau.
Der 3Dias Trail geht über 3 Etappen – 10km an Tag 1 und 3, und an Tag 2 konnte man zwischen den Distanzen 10km, Halbmarathon, Marathon und Ultradistanz wählen. Ich war ursprünglich nur für den Ultra gemeldet. Bei der Abholung der Startnummer entschied ich mich aber spontan, auch die erste Etappe, das Nachtrennen zu laufen. Eine Nachmeldung war unkompliziert möglich.



Die Rennen
Die erste Etappe fand Freitagabend in und um Ibiza Stadt herum statt. Da meine Entscheidung für die erste Etappe am Start zu stehen so überstürzt war, blieb mir wenig Zeit mich mit den Details der Strecke über 380hm auseinander zu setzen. Bei einem kurzen Blick auf die Pflichtausrüstung war ich dann aber schon etwas irritiert. Dort waren unter anderem eine Stirnlampe (na gut), ein Rücklicht (okay?), ein geladenes Handy, sowie eine Wärmedecke und eine Pfeife (braucht’s das wirklich?) aufgelistet. Ein bisschen provisorisch schaffte ich es alle Gegenstände an mir zu verstauen und trotzdem noch ohne Laufrucksack auszukommen. Merke: ein kleinerer Laufrucksack oder Laufgürtel darf gerne mit.
Zusammen mit knapp 750 anderen Läuferinnen und Läufern stand ich dann mit bester Laune an der Startlinie. Die Spanier wissen auf jeden Fall, wie man Stimmung macht. Die tagsüber noch wie leergefegte Stadt, war gut gefüllt und aus den Lautsprechern dröhnte stimmungsvolle Musik. Dann fiel der Startschuss. Es ging durch schmale Gassen, über Treppen durch die Altstadt, nochmal durch den Startbereich und dann ging’s auf den ersten Loop um die Stadt herum. Schmale Singletrails und steiniges Gelände, die doch mehr technisches Können erforderten, als ich von einem Stadtrennen erwartete. Eine der ersten Überraschungen, auf die an diesem Wochenende noch viele folgen sollten. Nachdem man sich anschließend wieder in der Stadt befand, schraubte man durch die Altstadt wieder nach oben, bevor man erneut den Startbereich passierte und sich auf den zweiten, weggleichen Loop begab. Hier nahm ich ein bisschen Tempo raus, da ich nicht wenige Stunden vor dem Start des Hauptrennens meine Energie verschießen wollte. Nach 54min lief ich als vierte Frau durchs Ziel. Viel Zeit, um die tolle Stimmung zu genießen, nahm ich mir nicht, da ich schnell ins Bett wollte, um am nächsten Morgen einigermaßen fit zu sein.
Der Startschuss für den 70km Ultratrail fiel um 6 Uhr in Ibiza Stadt, wo ich noch wenige Stunden zuvor durchs Ziel gekommen war. Zusammen mit 125 weiteren Läuferinnen und Läufern begab ich mich auf die Strecke. Das Streckenprofil hatte ich mir vorher genau angesehen und war fest davon überzeugt, dass die ersten 30 (flachen) Kilometer gut machbar sind und ich hier meine Energie sparen konnte. Naaaja. Ganz so kam es dann nicht. Man legte einen Teil dieser Strecke am Strand auf Sand (uff…) zurück, dann ein Stück auf ca. 15cm großen Steinen, sogenannten „Pebbels“, die mir den ein oder anderen Fluch entlockten, da ich hier mehr als nur einmal umknickte. „Na, das kann ja was werden“ dachte ich mir nach knapp 15km. Glücklicherweise wurde die Strecke ab hier aber lauffreundlicher und auch die Sonne schlüpfte langsam über den Horizont. Einmal mehr wurde mir bewusst, dass das die kleinen Geschenke unseres Sports sind. Nach 20km bog man auf schmalen Trails ins Innere der Insel ein. Außerdem musste man jetzt auch immer häufiger kleinere, laufbare Anstiege hoch. Nachdem man VP 3 in Sant Josep passierte, ging es den ersten längeren, steilen Anstieg hoch und ich wechselte immer häufiger vom Laufschritt ins Hiken, bis man den höchsten Punkt der Insel, den Cap de sa Talaia auf 476m erreichte. Von hier aus hatte man eine atemberaubende 360° Sicht über die Insel, die mich zumindest kurz innehalten ließ. Jetzt in einem Auf und Ab in Richtung Es Cubells. Hier starteten die Läuferinnen und Läufer der Marathondistanz und man teilte sich von hier an den Weg bis zum Ziel. Für die einen war das sicher ein Push, um nochmal ein bisschen Tempo aufzunehmen. Für mich war es der Beginn eines tiefen Tals. Bereits einige Kilometer vorher merkte ich, dass sich Magenbeschwerden ankündigten, die hier ihren Höhepunkt erreichten. Ich wurde von wahrscheinlich allen 200 Marathonstartern überholt, und mein eigenes Tempo fühlte sich mehr nach Rückwärts- als nach Vorwärtslaufen an. Da half auch die schöne Sicht auf die Insel Es Vedrà nichts, und als ich dann auch noch von der bisherigen dritten Frau überholt wurde, war ich komplett in meiner pain cave versunken. Jeder Schritt der 300 Höhenmeter, die sich auf knapp 4km verteilten, wurde zur Qual. An VP 6 kam ich mehr angekrochen, als angelaufen und ich litt wahnsinnig. Na gut, vielleicht liegt es auch in meiner Natur dramatisch zu sein. Ich wollte mir auf jeden Fall bis zur nächsten VP Zeit geben, um mich körperlich und mental wieder zu sammeln. Und es war, wie’s immer war: nach jedem Tief folgt ein Hoch. Nach und nach sammelte ich einige Läufer, die mich vorher so quälend überholt hatten, wieder ein. Mit einem breiten Grinser im Gesicht kam ich in Cala d’Hort an und an Aufgeben war nicht mehr zu denken. Von hier aus musste man nur noch an den süßen kleinen Fischerhütten, mehr oder weniger im Wasser, vorbei und dann war der letzte Anstieg auch schon vor mir. Es galten noch 500 Höhenmeter auf 8km hinter sich zu bringen. Auf den letzten 100 Höhenmetern konnte ich mir den zweiten Platz wieder zurückholen und musste dann nur noch die 300hm Downhill zurück nach Sant Josep überstehen. Ich traute mich nicht, mich nach hinten umzudrehen und lief so schnell es mir möglich war. Und dann war er da – der Zielbogen, den ich nach genau 8 Stunden und 3 Sekunden passierte. Als Siegerin ging 38 Minuten vor mir die 28. der diesjährigen Trail WM Gemma Arenas über die Linie. Sieger der Männer wurde Pablo Ibánez nach 6:08:35min.
Die letzte der 3 Etappen des 3DiasTrail fand am Sonntagvormittag statt, welche ich aufgrund meiner bereits erwähnten Flugproblematik leider auslassen musste. Start und Ziel waren in Santa Eulària des Ruis. Und zumindest den Bildern nach wurde dem Wochenende hier die Krone aufgesetzt.
Fazit
Wer ein laufbares Trailerlebnis für den Saisonabschluss sucht, der wird hier definitiv fündig. Zu den warmen Temperaturen gesellen sich die herzliche Stimmung und die spanische Feierlaune. Zudem erhält man drei detailliert geplante Rennen, auf die man sich dank des strukturierten Runner’s Guide gut vorbereiten kann. Man erlebt überraschend vielseitige Trails, die einen auf abwechslungsreiche Art fordern. Eine perfekte Mischung aus Ambition und Spaß.
Ich möchte mich besonders bei Irene, Jota und Alberto bedanken, die mich ganz herzlich auf der Insel empfingen und die mir zusammen mit Trailrunning24 einen unvergesslichen Saisonabschluss bescherten.
eure Carina
Trailrunning24 – TrailCompany
