Altra Running hat im Sommer mit dem Olympus 275 eine neue Version des Langstrecken-Klassikers Olympus herausgebracht.
Die neue Version würde ich als ist leichtes und dynamisches Race-Update zum Olympus 6 bezeichnen. So, wie es die Amerikaner auch schon mit dem Mont Blanc-Speed als Race-Variante für den beliebten Altra Mont Blanc praktiziert haben. Altra bewirbt denn Olympus 275 auf ihrer Website mit folgendem Slogan: „Wir haben voll auf Innovation gesetzt, damit du alle deine Trail-Abenteuer meistern kannst. Dank der umfassenden Strapazierfähigkeit, dem maximalen Schutz und dem maximalen Komfort bist du für ganztägige anspruchsvolle Trail-Touren gewappnet“.
Verlässliches Statement oder leere Worthülsen? Wir werden im Testbericht sehen, welche Versprechen der Olympus bestätigt und welche im Reich der Fabeln bleiben…
Die Daten
Laut Altra am besten geeignet für: „Technical Trail Running und All-Day Trail Running“
- Schnürung: Klassisch
- Sprengung: 0 mm
- Obermaterial: Nahtloses MATRYX®-GewebeZwischensohle: Formgepresstes EVA
- Außensohle: Vibram® Megagrip
- Gewicht: 11.9 oz / 338.8 g in Größe 42
- Dämpfung: Maximale
- Standhöhe: 33mm
Erster Eindruck
Wenn wir in einem Testbericht über den neuen Olympus 275 sprechen, dann müssen wir auch über den Vergleich zum Olympus 6 reden. Deshalb sei vorweg gesagt, dass ich kein Fan des Olympus 6 war, da ich mit der Passform und den Fersenhalt im Gegensatz zu den Vorgängerversionen überhaupt nicht zurecht kam. Zudem empfand ich den Schuh als steif und unflexibel.
Mit einer gewissen Portion Skepsis packte ich also den neuen 275er aus dem Schuhkarton. Beim ersten Auspacken springen zuerst die knalligen Farben ins Auge, die trotz regnerischen Wetter Laune machen, an diesem Tag raus auf den Trail zu gehen. Bei der ersten Anprobe spürte ich eine deutlich kompaktere Passform, als es beim Olympus 6 der Fall war. Das flexible Obermaterial umschließt meinen Fuß wesentlich besser und wird dabei durch die integrierte Gamasche unterstützt, die den Knöchel schützt und gut umschließt.
Optisch wirkt der 275er dynamischer als der Olympus 6 und er wiegt auch circa 30 Gramm weniger (mit der Küchenwaage nachgemessen). Die Sohle wirkte auf den ersten Metern in der Wohnung allerdings auch recht fest und wenig flexibel. Der Schuh verkörpert mit der 0mm Sprengung und seiner breiten Zehenbox die typische DNA von Altra Running und dementsprechend natürlich steht man auch im Fußbett.
Soweit der erste Eindruck – also nix wie raus auf den Trail zur „Jungfernfahrt“…
Auf dem Trail
Auf dem Trail macht der Schuh mit seiner komfortablen Dämpfung unmissverständlich deutlich, dass er sich auf langen Strecken besonders wohlfühlt. Für diese Eingebung muss man allerdings kein Schuhkenner sein, denn der Olympus ist seit Jahren das Flaggschiff von Altra, wenn es um die langen Kanten geht und auch der 275er bleibt dieser Linie treu. Auf den ersten Metern spüre ich zwar sicher kein Leichtgewicht am Fuß, doch der Schuh wirkt nicht mehr so klobig wie der 6er. Die 30-Gramm, welche er weniger auf die Waage bringt, zahlen sich positiv in der Dynamik aus. Die Sohle dürfte in meinen Augen gerne etwas flexibler sein, sie wirkt ähnlich stabil wie beim 6er.
Sobald es auf längere Testläufe geht, kann der Olympus 275 seine Stärken ausspielen: Komfort, Grip und Sicherheit. Über die Vibram Megagrip-Sohle braucht man wohl keine großen Worte mehr verlieren. Sie ist in meinen Augen das Nonplusultra unter den Trailrunning-Sohlen und der Grip ist auch bei diesem Testschuh hervorragend, auch auf nassen und technischen Trailpassagen. Die Anordnung der Stollen ist 1:1 vom Olympus 6 übernommen. Die Stollen sind ausreichend griffig für schwieriges Gelände, aber nicht zu aggressiv für Asphalt und Schotterpassagen, über die es sich mit dem Olympus 275er bestens „rollen“ lässt.
In Downhillpassagen gefällt mir der sichere Halt im Mittelfuß. Das Problem bei Schuhen mit einer breiten Zehenbox ist oft, dass der Halt im Mittelfuß nicht ausreicht, wenn es in steile Downhillpassagen geht. Nicht selten rutscht man in diesen Schuhe nach vorne und die Zehen stoßen an die vordere Kappe, was sehr störend ist und auf Dauer Schmerzen und Blasen verursachen kann. Im Olympus 275 erlebe ich diese Probleme allerdings erfreulicherweise nicht, der Fuß bleibt fest umschlossen und „schwimmt“ nicht nach vorne.
Das luftige Obermaterial trägt sich angenehm, auch bei kalten Temperaturen. Altra verspricht: „Zusammen mit MATRYX® haben wir ein nahtloses Mesh-Obermaterial mit Kevlar designt, das trotz des geringen Gewichts sicher hält, extrem leistungsstark ist und jede Menge Kilometer fressen kann.“ Ich bin gespannt, wie sich das Obermaterial in der Praxis schlägt. Eine langlebige Haltbarkeit wird sich erst noch beweisen müssen, denn in den letzten 10 Jahren meiner „Karriere“ als Atra-Fan war diese Eigenschaft nicht immer das größte Aushängeschild von Altraschuhen.
Die Zehenkappe ist gut verstärkt und bietet entsprechend Schutz in steinigem Gelände.
Das nächste Downhillsegment im Zigzacktrail wird man mit dem Schuh nicht unbedingt knacken. Aber der Schuh tut, was ein Langstreckenschuh tun muss: Er arbeitet verlässlich in langsamen und gleichbleibenden Tempo über viele Stunden.
Fazit
Der Olympus 275 bietet für mich ein deutliches Uprgrade zum 6er. Klare Pluspunkte gibt es für die Passform, den Grip und den Komfort. Der Style ist gewagt und sicher Geschmacksache – für mich aber ein Hingucker, der gerade in die tristen Wintermonate Farbe auf den Trail bringen wird.
Der Olympus 275 ist ein Schuh für die langen Kanten, für Ultratrails sowie gemütliche Trainingseinheiten. Oder für schwere Läufer. Mit seiner altratypischen 0mm-Sprengung und breiten Zehenbox spricht er Trailläufer*innen an, die einen natürlichen Laufstil bevorzugen.
Sein Komfort geht natürlich zu Lasten der Dynamik – aber einen Tot muss man bekanntlich im Leben sterben. Als All-Day Trailrunning Schuh, wie von Altra beworben, sehe ich ihn deshalb nicht ganz. Für lange Läufe aber ein klarer Kauf-Tip und ich bin happy, dass der 275er mir im Gegensatz zum Vorgänger wieder richtig Spaß auf den Trail bringt.