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Mayrhofen im Zillertal – eine Traumkulisse mitten in den Tiroler Alpen. Genau hier fand am letzten Wochenende das Mayrhofen ULTRAKS statt, ein Trailrunning-Event mit unterschiedlichen Distanzen: vom Sprint mit 7 km bis hin zur Königsdisziplin, dem Z101 mit 108 Kilometern und 8.500 Höhenmetern über das Schönbichler Horn (3.123 m). Spoiler: Bis dorthin sollte es für uns in dieser Nacht nicht mehr gehen.

Auf der Z101-Distanz standen weniger als 70 Starter*innen am Start – also ein eher familiäres Feld im Vergleich zu den kürzeren Strecken, die ausgebucht waren.

Vor dem Start

Die Vorbereitung auf die ULTRAKS war ein bisschen wie ein kleiner Hürdenlauf: Kommunikation und Infos kamen nicht immer rechtzeitig. Auf der Website wurden kurz vor dem Rennen noch Änderungen veröffentlicht, die per Mail leider nicht ankamen. Gerade bei der Pflichtausrüstung, wie Grödeln für die glatten Passagen, hätte das beinahe ein Problem werden können. Glücklicherweise hatten Sabrina und ich vorgesorgt. Beim Racebriefing erfuhren wir, dass nur etwa 20 Paar Grödel zum Ausleihen bereitstanden, also wirklich Glückssache da noch welche zu bekommen. Auch die Planung für unsere Pacer und Supporter wurde durch kurzfristige Infos erschwert.

Die Anreise war unkompliziert, wir hatten eine gemütliche Ferienwohnung in Finkenberg, nur wenige Minuten von Mayrhofen entfernt. Parken in Mayrhofen selbst war am Europahaus möglich, aber den Start/Ziel-Bereich zu finden, war ein kleines Abenteuer.

Das Racebriefing am Donnerstagabend im Europahaus verlief insgesamt gut. Hier holten wir auch unsere Startnummern, die das ursprüngliche Höhenprofil und die VP-Stationen zeigten. Hätte uns im Rennen sicher geholfen, wenn die Strecke nicht so kurzfristig geändert worden wäre.

Änderungen waren nötig, da der Freitag extrem viel Niederschlag brachte, der in den höheren Lagen zu Schnee wurde. Die Überschreitung des Schönbichler Horns und einige andere Schlüsselstellen zu bewältigen wäre sonst nicht ungefährlich gewesen. Die Veranstalter versicherten uns, dass wir über eventuelle Streckenänderungen informiert würden, aber die finale Anpassung kam leider viel zu knapp vor dem Start per Mail, sodass wir unseren Race-Plan im völligen Stress neu organisieren mussten.

Ab Freitag gab es dann noch eine kleine Expo mit vielen Ständen – gemütlich, familiär und entspannt. Bei der Startnummernausgabe gab es zusätzlich einen 15-Euro-Voucher plus ein Getränk, einzulösen auf einer von 3 Hütten, was bestimmt praktisch gewesen wäre, hätten wir eine der Hütten erreicht.

Am Abend vorher haben wir bewusst spät ins Bett gefunden – spät ins Bett, um möglichst lange schlafen zu können. Sabrina und ich verbrachten den Abend ausgelassen mit unseren Freunden, freuten uns auf das Rennen und genossen leckere Pizza in Mayrhofen.

Das Rennen

Die Stimmung am Start war trotz Kälte und Regen großartig. Leider wurden wir nicht über das Verschieben der Startzeit informiert, weshalb eine Stunde lang diese Stimmung haben aufsaugen können. (Hier immer wichtig: Dicke Jacke und Überhose mitnehmen! Wir hatten Gott sei Dank die Möglichkeit, uns nochmal reinzusetzen). Kurz vor der Startlinie wurde der Rucksack kontrolliert, danach liefen wir ins Starterfeld, wurden fotografiert und interviewt. Die Musik peitschte uns an, wir standen voller Vorfreude und Adrenalin bereit. : Musik, Lachen, Vorfreude: genau diese Mischung, die man spürt, wenn gleich ein großes Abenteuer beginnt.

18 Uhr: Startschuss!

Gleich nachdem wir den Ort verlassen hatten ging es direkt hoch zur Gamshütte – ein knackiger Anstieg auf wunderschönem Trail. Später folgten Abschnitte über Asphalt und die Mautstraße, vermutlich wegen der Streckenänderung, aber die verbleibenden Trails waren atemberaubend. Hoch zum Friesenberghaus wurde es richtig technisch: Blockfelsen – genau das Terrain, das ich liebe. Als wir schließlich in den Schnee kamen, zogen wir bald die Grödeln an, denn es wurde extrem rutschig und die Felsen waren mit Eisglätte überzogen.
Vollmond, sternenklarer Himmel, die Stirnlampen der anderen Läufer*innen, die sich serpentinenartig über die gefrorenen Felsen, Trails und Bachüberquerungen kämpften – ein Bild, das mich tief berührt hat. Alles wirkte friedlich und perfekt, trotz der harten Bedingungen.

Die Verpflegung unterwegs lief fantastisch. Insgesamt waren 10 VPs geplant (bei etwa der Hälfte gabs eine offizielle Drop-Bag-Station), für uns war vor allem unsere private VP bei Kilometer 25 ein Highlight: heiße Brühe, Pizza, Wasser und unsere Wechselbeutel mit Nutrition. Die offiziellen VPs waren gut bestückt: Iso, Wasser, Snacks wie Cracker und Kekse, Obst, Gurke – und natürlich Wassermelone mit Salz, mein Lieblings-Snack an den VP‘s. Ab Friesenberghaus hätte ich mir einen riiiiiesigen Teller Nudeln mit Pizzatopping gewünscht – der Hunger machte sich langsam bemerkbar. Die Helferinnen waren unglaublich motivierend, hilfsbereit und herzlich.

 

Sabrina gab das Tempo vor, da sie die langsamere von uns beiden ist, aber mental mindestens genauso stark. Zu zweit unterwegs zu sein, gab uns so viel Sicherheit und Selbstbewusstsein. Die Natur, die Berge, die friedliche Stimmung – wir genossen jeden Moment, während wir über vereiste Blockfelsen kraxelten. Müdigkeit bekämpften wir mit Koffein, und gefühlt hätte ich noch ewig weitermarschieren können.

Doch dann kam die Nachricht, die alles veränderte: Das Rennen wurde abgebrochen. Eine Helferin hat die Info telefonisch erhalten, während wir gerade im Begriff waren am Friesenberghaus los, weiter Richtung Olpererhütte zu laufen. Ein harter Schlag – wir hatten monatelang auf diesen Tag hingearbeitet, unser Training und Leben danach ausgerichtet. Die Tränen liefen, Wut und Enttäuschung mischten sich. Wir fragten uns, warum man die Teilnehmer*innen überhaupt hat starten lassen, obwohl klar war, dass sich die Bedingungen nachts nicht verbessern würden, und warum keine SMS mit der Abbruchinfo verschickt wurde. Andere Läufer stiegen weiter Richtung Olpererhütte auf, nicht ahnend, dass sie oben wieder absteigen würden. Wir konnten sie nicht zurückrufen. Eine kurze SMS an die Teilnehmenden wäre hier wirklich sinnvoll gewesen.

Um 1 Uhr nachts stiegen wir ab, fühlten uns verlassen. Das Gefühl, ein Zwangs-DNF zu erleben, obwohl wir so gut durchgekommen waren – unbeschreiblich. Im Tal wurden wir von dem Partner einer Mitläuferin abgeholt und zurück zu unserer Ferienwohnung gebracht. Es war 4 Uhr morgens, und obwohl wir nicht müde waren, spürten wir die Leere: Die Sonne stieg bald auf, die anderen Läufer*innen starteten zu einem unvergesslichen Sonnenaufgang, der, den wir hätten erleben wollen.

Trotz allem nutzten wir die Zeit: Wir erkundeten Teile der Strecken, besonders die des RK50 – traumhafte Trails auf grünen Graten, die uns zumindest ein kleines Stück des Glücks zurückgaben. Am Ziel der anderen Distanzen herrschte fantastische Stimmung: Musik, gute Laune, Runner’s Meal und Drinks. Jeder Finisher wurde gefeiert, als wäre er Sieger. Mayrhofen fühlt es richtig!

Fazit

Der Mayrhofen ULTRAKS Z101 war für mich ein Rennen voller Höhen und Tiefen – im wörtlichen und übertragenen Sinne. Die Strecke ist hochalpin, technisch anspruchsvoll und bietet wahnsinnig schöne Trails und kraxelige Felspassagen, die jeden Schritt zu einem Erlebnis machen. Genau solche Läufe liebe ich – wild, herausfordernd, Grenzen ausloten

Natürlich hat der Abbruch mitten in der Nacht einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Nach monatelanger Vorbereitung, unzähligen Trainingskilometern und einem sorgfältig geplanten Renn-Setup saßen Sabrina und ich nun in der Hütte, mitten auf der Strecke und mussten unsere Träume für diesen Tag abrupt loslassen.

Für Läufer*innen, die alpine Abenteuer suchen, ist dieses Event ein Traum. Wer technisch anspruchsvolle Strecken liebt, mentale Stärke mitbringt und sich auf wechselhafte Wetterbedingungen einstellen kann, wird hier belohnt – egal, ob man die volle Distanz läuft oder eine der kürzeren Strecken wählt. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Grundvoraussetzung, um sich eine solche Tour zuzumuten, abgesehen von der Ausdauerfähigkeit, die man bei der Anmeldung zum Z101 mittels eines 80km Trailrace-Ergebnisses nachweisen muss. (Das übrigens finde ich wirklich sinnvoll, auch wenn es dem ein oder anderen die Teilnahme verwehrt.)

Pro: wunderschöne, technisch anspruchsvolle Strecke; traumhafte Landschaft; familiäre, ausgelassene Stimmung; liebevolle Helfer*innen; unvergessliche Momente.

Contra / Verbesserungsmöglichkeiten: Kommunikation vorab (Pflichtausrüstung, Supporter/Pacer) könnten transparenter sein; Informationen über Streckenänderungen müssen viel früher erfolgen – oder die Alternativ-Strecke für Schlechtwetter schon Tage vorher kommuniziert werden, um sich darauf einzustellen zu können; Info über Renn-Abbruch (und auch die Verschiebung der Startzeit) per SMS wären dringend notwendig; Start/Ziel-Bereich besser ausschildern; Wenn vorhersehbar ist, dass – wie bei uns – die Bedingungen so riskant sind, die Teilnehmer wahlweise auf die 70er Strecke zu lassen oder den Startplatz ins Folgejahr verschieben.

Tipps für alle, die Lust haben dieses Abenteuer mal zu erleben:

  • Ausrüstung unbedingt ernst nehmen – Regenjacke, lange Kleidung und Grödeln sind Pflicht für solche Läufe.
  • Hier brauchst du nicht starten, wenn du dich nicht sicher in sehr technischem, alpinen Gelände bewegst.
  • Persönliche Supporter sind ein echter Bonus, denn allein die viele Nutrition für die maximal 31 Stunden Laufzeit, die du hast, wiegt extrem viel.
  • Mentale Vorbereitung ist genauso wichtig wie die körperliche – hochalpine Trails in der Nacht fordern alles.
  • Plane genug Zeit für Unterkunft, Anreise und Startnummernabholung ein.

 

Trotz des abrupten Endes nach nicht mal 7 Stunden im Berg bleibt das Rennen für mich unvergesslich. Es hat mir wieder gezeigt, wie stark Freundschaft, Teamwork und Vertrauen im Trailrunning sind. Wir haben gelacht, gekämpft, geweint – und genau das macht einen Ultra für mich aus. Auch wenn unsere Lovestory an diesem Tag kein Happy End hatte, bleibt sie voller intensiver Momente, die ich niemals vergessen werde.

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