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Mit Respekt im Herzen und ein Rucksack voller Abenteuerlust

Auch ich war am letzten Wochenende Teil der 3Kings3Hills family im Dreiländereck. Und zwar auf der Ultratrail XL Distanz– 115 Kilometer und 4550 Höhenmeter durch eine Landschaft, die atemberaubend schön, aber an diesem Wochenende auch gnadenlos war. Wie gnadenlos wurde erst gegen Ende klar.

Es waren 150 Starter gemeldet, davon 15 Frauen. Ich war eine davon. Das Starterfeld war Niveau mäßig sehr stark besetzt, da der Ultratrail XL für die ASTA Teilnehmer zu den österreichischen Meisterschaften im Ultratrailrunning zählte.

Schon in Vorfeld kamen per Email die letzten Infos des Rennens. Die Pflichtausrüstung, der GPX Track, nochmals der Hinweis über das Tracking per eigenem Handy, was die Mitnahme einer Powerbank voraussetzte und auch das Herunterladen der Tracking App. Für mich persönlich kein Neuland, weder die Powerbank noch ein GPX Track. Es wurde aber alles sehr gut beschrieben in der Email bzw. auch mit Link versehen. So war die Technik schnell installiert. Für kleinere Bedienfehler oder unzureichende Freigaben bzgl. Standort etc. wurde direkt vor Ort der Technikprofi und dessen schnelle Handgriffe zu Rate gezogen. Vielen Dank hierfür. Dies hat einigen sehr geholfen.

Die Startnummernausgabe ging super schnell, der Dropbag war auch ruckzuck beschriftet und stand für den Abtransport bereit. Bei VP4 und VP7 kam ich an diesem vorbei. Insgesamt hatte ich 9VPs auf der Strecke vor mir, alle jeweils nach etwa 10-15 Kilometern.

Ich war bereit, körperlich, mental, mit Respekt im Herzen und einem Rucksack voller Verpflegung, Pflichtausrüstung und Abenteuerlust. Gespannt, wie die Kombi aus 115 Kilometer und dieses permanente Auf und Ab für mich laufen. Im Gebirge sammelt man die meisten Höhenmeter ja sehr oft an wenigen, aber langen Uphills – surprise, surprise.

Los ging es in eine kalte Nacht

Es war 21.30 Uhr, Equipment Check von Jedem bevor man in den Startbereich rein durfte. Meine Aufregung stieg allmählich. Die Wahrscheinlichkeit für eine sehr nasse Nacht auch. Der Regen setzte langsam wieder ein. Das Wetter würde wohl der größte Gegner werden. Kalt und durchdringend.

Mit dem Racebriefing und dem nochmaligen Hinweis, dass das Wetter permanent beobachtet werde und wir über alle Informationen per Handy benachrichtigt werden, fiel pünktlich um 22.00 Uhr der Startschuss.

Es ging über die nasse Wiese raus aus dem Startgelände, rein in den Wald, um nach kürzester Zeit auf dem Grenzsteig steil Richtung Dreisessel zu stapfen. Der Weg war sehr anspruchsvoll. Schmal, nass, rutschig, Pfützen, verblockte Steine gepaart mit Wurzeln. Es war volle Konzentration gefragt. Durch das hohe Gras am Rand des schmalen Pfades, welches sich in die Mitte neigte, konnte man sehr oft nicht wirklich sehen wohin man eigentlich trat. Da hat es einigen die Füße ganz schön weg gezogen. Es ging bergauf -Gott sei Dank. Denn im Downhill auf diesem technisch sehr anspruchsvollen Trail und im Regen wäre kein Spaß gewesen.

Die Trails verwandelten sich binnen Stunden in Schlammrutschen, die Wurzeln wurden zu Stolperfallen, jeder Tritt ein Risiko. Ich war durchnässt bis auf die Haut, lange bevor es überhaupt hell wurde. Und dennoch: Ich war im Flow. Der Körper lief, der Kopf kämpfte – gegen Zweifel, gegen das Wetter, gegen sich selbst.

Anfangs tänzelte ich noch irgendwie schön um fast jede Pfütze und jedes Schlammloch herum. Irgendwann war es mir eigentlich auch egal. Es kostete einfach viel zu viel Konzentration, für die Füße einen geeigneten Tritt zu finden, welcher aber gleichzeitig einigerrmaßen in den Laufschritt passte. Nass war ich ja eh mittlerweile.

VP1 war schnell erreicht. Kurz die Flasks befüllen und ein Stückchen Käsekuchen in den Mund, ging es auch schon weiter. Der Wind war mittlerweile auch ganz ordentlich und kühlte mich sehr schnell aus.

Ein helles Licht in dunkler Nacht

Nach VP1 gesellte sich Benjamin zu mir. Er fragte, ob er sich an meine Fersen heften könne. Seine Stirnlampe ist ausgefallen. Es war erst 23.30 Uhr, also schon noch eine ganze Zeit Nacht, bevor es wieder hell wurde. Von nun an ging es im Doppelpack weiter. Meine Stirnlampe musste nun für uns beide strahlen. Es wechselten sich breitere Waldwege mit schmalen Trails ab. Die Wasser- und Schlammpfützen blieben, mal mehr mal weniger. Man merkte halt erst wie tief die Pfütze war, wenn man hineintrat. Manchmal fühlte es sich an, als wäre ich auf einer Exkursion in den Sümpfen der Everglades. Es fehlten nur noch die Alligatoren.

Fast ausschließlich auf meine Füße konzentriert, ignorierte ich wie dicht die Äste und Bäume über mir waren. Zack hing ich auch schon an einem Aststumpf mit dem Kopf. Tatsächlich wurde es eine Beule mit Abschürfungen. Ein kurzes AUAHAAA und weiter gings.

Kurze Zeit später ging es auf einen breiten Schotterweg durch den Wald. Endlich tat sich mal was auf der Uhr. Die Kilometeranzeige rannte förmlich und ich konnte endlich zügig Kilometer sammeln. Konzentrieren musste man sich auch nicht mehr so arg.

Die Nacht war zwar sehr sehr dunkel, da der Himmel wolkenverhangen war, aber die Markierungen waren so spitze, dass ich an keiner Stelle eine überrannt oder vermisst hätte. Es war alles top ausgeschildert und mit reflektierenden Bändern versehen.

Bereits ab VP2 waren die ersten Ausfälle bzw DNFs zu beobachten. Zumindest was in meiner Umgebung rannte. Das Wetter verlangte schon alles ab von einem. Klatschnass und dann der Wind, die rutschigen Trails, der Regen, die Nacht ansich forderten ihre Tribute.

Es begann langsam die Sonne aufzugehen, der Himmel wurde heller und kurze Zeit später war ein schöner Sonnenaufgang zu sehen, allerdings genau in der entgegengesetzten Richtung als ich unterwegs war.

VP4 erreichten Benjamin und ich im Morgengrauen. Hier erwartete uns eine warme Suppe und die Dropbags. Hurra, endlich warm und trocken. Gestärkt mit einem großen Teller Nudelsuppe und einem trockenen Shirt ging es nach kurzer Zeit wieder auf die Strecke. Ab hier folgte ein Wechsel aus flowigen Trailpassagen und breiten Schotterautobahnen, was manchmal sehr schön war, weil man sich eben null konzentrieren musste, aber auch sehr demotivierend sein kann, weil es an Abwechslung fehlte.

Von VOLL IM FLOW zu OVER&OUT

Ich war im Flow und ließ es laufen. Mittlerweile alleine. Es war genau mein Ding. VP5, VP6, VP7 kurz nochmal bisschen warme Suppe und weiter ging es . Ab und an gab es aber auch Passagen, die eher ein Wildschweineldorado war. Schlammig, rutschig, die Spur vom Harvester persönlich gezogen kämpfte ich mich da durch.

Kurz vor VP8 folgte einer der schönste und beeindruckendste Abschnitt der Strecke. Der Uphill war zwar knackig, aber der 360 Grad Ausblick entschädigte für alles. Sehr technisch ging es auf der anderen Seite in den Downhill und kurze Zeit später erreichte ich die VP. Gedanklich war ich bereits beim nächsten Anstieg und auf dem letzten Downhill über das steinerne Meer Richtung Ziel. Zeit hatte ich noch genügend. Ich füllte meine Flaschen, schnell noch ein bisschen Riegel und weiter.

Leider wurde ich 100m darauf von einem Helfer gestoppt: Rennabbruch!!! Ich darf dich nicht mehr weiterlaufen lassen!!! Das waren seine Worte. Es kommt eine Starkregenfront mit Gewitter auf uns zu und der letzte Abschnitt wäre einer der anspruchsvollsten, vor allem der Downhill. Safety first.

Ich musste mich erst einmal sortieren um diese Nachricht zu begreifen. Shit, tatsächlich war 12km vor Finish der Lauf beendet für mich. Schade 🙁

Es ging zurück zur VP8. Dort wurden wir, also die nächsten Läufer die noch ankamen, mit den persönlichen Vorräten der Bergwacht versorgt (Wiener und Cabanossi etc). Die Bergwacht war in ständiger Kommunikation und Koordination über das weiter Procedere untereinander. Ein Motocrossfahrer fuhr die zurückliegenden Streckenabschnitte ab und berichtete wie viele Läufer hier noch ankommen werden. Viele wurden auch an den VPs vorher schon aufgehalten bzw bekamen die Nachricht über den Rennabbruch per Handy.

Für meine Gruppe wurden Shuttles organisiert, die uns dann zurück ins Zielgelände fuhren. Dort wurden die Startnummern nochmals abgeglichen und im Rennbüro abgehakt.

Trotz Rennabbruch durfte ich ein Finishermedallie in meinen Händen halten. DANKE

Es war die richtige Entscheidung, denn kurz darauf goss es wirklich aus Eimern und Gewittert hat es auch. Als Veranstalter macht man sich die Entscheidung ja auch nicht leicht, ein Rennen abzubrechen. Aber um größere Unfälle etc zu vermeiden muss man eben solche Entscheidungen treffen. Zum Wohl der LäuferInnen. Und ich denke das versteht jeder.

Mein Fazit

Auch ich fand, dass 3Kings3Hills ein besonderes Event ist. Es hat diese gewisse Mischung aus Festival, gepaart mit einer Trailrunningveranstaltung. Auch die große Streckenauswahl gefiel mir sehr gut. Von der Gegend ganz zu schweigen. Als Massenveranstaltung geht es auch nicht durch, was ich persönlich sehr schätze.

Da ich noch eine Rechnung von 12 Kilometern zu begleichen habe, schließe ich es nicht aus, dass es 2026 ein Wiedersehen geben wird.

Verpflegung und Streckenmarkierung waren top.

Quellenangaben und Querverweise:
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