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Bericht von unserer Trailcompany-Läuferin Carina Helmreich über ihren Pitz Alpine Glacier Trail P60:

Was war das für ein Wochenende im Pitztal! An diesen ersten Tagen im August kam wirklich jeder, der irgendwie etwas mit Trailrunning am Hut hat auf seine Kosten. Ich war mit Trailrunning24 zu Gast auf der P60 Strecke über knapp 60km und 4000hm.  Aber fangen wir vorne an.

Vor dem Start

Die Anreise ans Ende des Pitztals ist unkompliziert, Parkplätze und Shuttle-Services sind ausreichend vorhanden und gut ausgeschildert. Auf der Expo Area wurde die Pflichtausrüstung jedes Läufers gecheckt und erst dann wurde die Startnummer ausgegeben. Sicherheitpluspunkt! Mit der 13. Auflage des PAGT zeigt sich der Veranstalter routiniert und es fehlte an nichts! Das beweist auch die Tatsache, dass die Rennen zum 8. Mal in Folge ausverkauft sind.

Mit dem ersten Start der Golden Trail World Series beim Pitz Alpine winkte erstmals die große internationale Bühne des Trailrunnings. In einem spannenden Eliterennen siegten auf der gekürzten 20 Kilometer Strecke über 1000 Höhenmeter am Ende Timothy Kibett (Kenya) und Naomi Lang (Großbritannien).

Aber wie bereits erwähnt war das Angebot der Strecken für jedermann/-frau und auch für jederkind. Denn es gab sowohl einen Kids Hindernisparcours als auch ein Young Talent Race über 8km/640hm. Außerdem die Distanzen P15/30/45 (Glacier oder Riffelsee) /60/90/105. Bereits im Vorfeld wurde über Streckenänderungen aufgrund von Murenabgängen informiert und leider musste der Veranstalter kurz vor dem Start der Langdistanzen weitere Streckenänderungen vornehmen. Da das Wetter allerdings nach seinen eigenen Gesetzen spielt, wurden den Startunterlagen einige Informationen zu Verhalten bei Schlechtwetter beigelegt. Außerdem wurde das Cold Weather Kit aktiviert, welches eine zusätzliche Schicht an Oberkleidung beinhaltete.

Das Rennen

In der Freitagnacht fiel um 23 Uhr der Startschuss für die Distanzen P60, P90 und P105. Anhaltender Regen und Temperaturen, die deutlich unter dem sommerlichen Durchschnitt lagen, machten den Start alles andere als gemütlich, aber die Wettervorhersage prophezeite zumindest für die Nacht überwiegend trockenes Wetter. Aber gut, wir sind ja Trailrunner und ein bisschen Abenteuer hat ja auch noch niemandem geschadet, zumal der Veranstalter die Sicherheit der Athletinnen und Athleten vorbildlich in den Fokus stellte.

Nach dem Startbereich warteten die ersten 1400hm mit einem steilen Anstieg Richtung Mittagskogelscharte auf 3070m, dem höchsten Punkt im Rennen. Der epische Blick auf die Stirnlampenlinie, die sich ins Tal zurückzog, sorgte für ein außergewöhnliches Racegefühl. An der Bergstation Gletscherexpress vorbei, der ersten Verpflegungsstation des Rennens, begab man sich durch verblockte Trails in Richtung Gletscher. Dort dann schnell die Grödel auspacken und über den Gletscher flitzen. Einmalig! Dann wieder alles verstauen und weiter auf dem Downhill zurück nach Mandarfen. Im Spotlight der Stirnlampe war der Abstieg durchaus anspruchsvoll, aber auch genau das, was das Trailrunnerherz begehrt. Bis jetzt spielte das Wetter tatsächlich einigermaßen mit (man konnte ja nach den letzten Wochen nicht zu viel erwarten) – es blieb überwiegend trocken. Am Verpflegungspunkt (VP) im Tal hatte man die Möglichkeit an der Drop Bag Station die Kleidung zu wechseln, denn der Veranstalter schrieb einen Start in Lang-Lang für alle Starter der langen Distanzen bis nach der Gletscherpassage vor.

„Eine der schönsten Passagen war der Downhill zur Materialseilbahn. Ich schwör‘ euch, nur fliegen ist schöner! Und das mit der aufgehenden Sonne im Blick!“

Jetzt begab man sich auf den zweiten Loop der langen Distanzen hoch zum Riffelsee. Erst schraubte man sich auf schmalen Singletrails die nächsten 1000hm nach oben, bevor man auf breiteren Schotterwegen zur Sunna Alm ein bisschen Tempo machen konnte. Dann um den See herum auf den Fuldaer Höhenweg. Hier traf man immer wieder auf Streckenposten, die dick eingepackt eisern Regen, Wind und Kälte trotzten und immer ein motivierendes Wort parat hatten!

Ab hier wurde es unrhythmisch, matschig und mühsam. In der zweiten Nachhälfte wurden nochmal alle Sinne gefordert, um sich undulierend über den Höhenweg zu kämpfen. Ich stand so oft bis zu den Knöcheln im Matsch, so dass ich mich fragte, ob dieser bereits Teil meiner DNA sei. Gerade zum Ende hin mit Blick auf das Taschachhaus mussten stellenweise auch drahtseilversicherte Stellen passiert werden. Eine der schönsten Passagen war der Downhill zur Materialseilbahn. Ich schwör‘ euch, nur fliegen ist schöner! Und das mit der aufgehenden Sonne im Blick! Unten an der VP warteten die Helferinnen und Helfer, die ordentlich Stimmung machten und den Tag hervorragend einläuteten. Chapeau! Auf dem Fahrweg Tempo, an der VP in Mandarfen nochmal stärken. Es warteten noch 850hm hoch zum Kaunergrat, und die hatten es nochmal in sich. Wetterbedingt wurde hier die Runde gekürzt und die Läufer der 60er Distanz drehten kurz vor dem Grat um (die längeren Distanzen musste einige Höhenmeter höher und wurden dann auf weitere Loops geschickt) und nun war man auch schon auf den letzten 6km des Rennens. Auf dem matschigen Weg nach unten nur nicht mehr stürzen und dann flach zurück zum Ziel. Und dann war er da – der rettende Zielbogen, den ich als zweite Frau und Dritte gesamt nach André Purschke und Ida-Sophie Hegemann passieren durfte! Ein Glückscent, den mir der Verkäufer eines kleinen Ladens in Mandarfen unbedingt mitgeben wollte, brachte mir wohl tatsächlich Glück. (Danke an dieser Stelle für eine liebe Geste an eine aufgeregte Läuferin!).

Fazit

Sich durch die Nacht zu kämpfen, bedeutet nochmal mehr Fokus auf sich und seine Sicherheit zu legen. Einfach alles ist anders, von Konzentration bis zu Verpflegung. Tief beeindruckt war ich sowohl von meinen Mitläufern, die mir an schwierigen Stellen auch mal die Hand reichten, als auch von den Helferinnen und Helfern an der Strecke, die aufgrund des miserablen Wetters wirklich keine angenehmen Bedingungen hatten. Ein herzlicher Dank an alle, die dazu beigetragen haben, dass die knapp 1600 Läuferinnen und Läufer heil ins Ziel kamen. Sowie an den Veranstalter, der mit Herzblut und viel Bedacht gestaltete.

Der P60 des PAGT ist ein anspruchsvolles Nachtrennen, dass sich durch die Diversität der Strecke hervorhebt. Der Adventure Faktor ist sehr hoch, aber für mich der perfekte Mix aus Abenteuer und Ambition. Wer eine Herausforderung sucht, der ist hier an der richtigen Adresse. Es war mir eine Ehre!

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