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Lago Maggiore International Trail

Am ersten Maiwochenende ging es für mich auf die Reise zum Lago Maggiore.

Genauer gesagt nach Maccagno con Pino e Veddasca. Ein kleines Dörfchen in der italienischen Provinz Varese / Region Lombardei. Dort ertönte am Sonntag, den 1.Mai der Startschuss beim Lago Maggiore International Trail. Ein landschaftlich extrem toller und einzigartiger Lauf, welcher vom italienischen Ufer des Lago Maggiore bis zu den Berggipfeln der Schweiz führt. Angemeldet hatte ich mich schon Ende 2019, aber aufgrund von Corona hat es erst dieses Jahr geklappt.

 

Da die Startnummernausgabe erst von 15 bis 18 Uhr war und der Regen gegen Nachmittag aufgehört hatte, konnte es noch auf eine Runde zum Beine vertreten gehen. Gelaufen bin ich von Mesenzana (das liegt hinter Luino) auf den Aussichtsgifel Monte Pian Nave in 1060 Metern Höhe und mit tollen Ausblicken auf den Lago Maggiore. Es war eine schöne ruhige Runde mit 22Km und 1200Hm, und außer einem Ranger bin ich keinen Menschen mehr begegnet. Dafür traf ich umso mehr Tiere auf dem Trail: Eine Wildschweinrotte, Mufflons, Rehe, Fuchs, Eichhörnchen und unzählige Eidechsen.

 

 

 

Um 16:30 Uhr holte Ich dann meine Startunterlagen ab im Parco delle Feste, wo am nächsten morgen um 7:00 Uhr auch der Start sein sollte für die 55Km mit 4200Hm. Es gibt aber auch noch Unterdistanzen zur Auswahl: Eine Strecke K20 mit 1430Hm und eine K12 mit 700Hm Distanz. Seit diesem Jahr gibt es auch den Dog Trail, wo man auf den beiden kürzeren Distanzen seinen vierbeinigen Freund mit auf den Trail nehmen kann. Anzumerken gilt, dass man in Italien ein ärztliches Attest vorzeigen muss, das nicht älter als 3 Monate ist. Ein Deutscher Mitläufer durfte nicht starten, da sein Attest vom Januar war wie er mir erklärte. Und da war leider nichts zu machen.

 

Für mich ging es weiter in die örtliche Sporthalle, wo der Veranstalter eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit angeboten hat. Ideal mit Parkplatz vor der Sporthalle, die Duschen nach dem Lauf sind auch dort und alles in 2-3 Minuten zu erreichen. Wer mit seinem Camper kommt, findet auch direkt an der Strandpromenade einen Campingplatz - den Lagocamp. Es gibt aber auch kostenfreie Stellplätze rund um den Start und am Sportplatz. Allgemein findet man in Maccagno Alles vor Ort, was man benötigt. Mit Supermarkt, Apotheke, Pizzeria, Restaurant, Bar, Hotel und einer Eisdiele (sehr lecker) verfügt der Ort über eine gute Infrastruktur.

 

Nachdem der Schlafplatz eingerichtet war, verschlug es mich nach Luino, um noch eine Pizza zu essen. Empfehlen kann ich die Pizza in Piazza Germignaga mit leckerer Holzofenpizza, 2 Minuten vom Carrefour Einkaufsmarkt entfernt, wo man gleich parken kann und seine Einkäufe tätigen kann. Zurück gings in die spärlich gefüllte Sporthalle, was einen entspannten Schlaf versprach.

 

Am Sonntag um 6 Uhr 45 war ein kurzes Briefing in Italienisch, Deutsch und Englisch angesagt und kurz nach 7:00 Uhr erfolgte auch schon der Start. Das Wetter ein Traum: Keine Wolken, blauer Himmel und die ersten Meter an der Promenade entlang am See ließen das Trailrunner-Herz gleich noch mal schneller schlagen. Eine Runde durch den Ort zum warm werden und schon ging es auf den ersten Trail hoch durch die Berdörfer Caviggia und Garabiolo, um dann an der Bergflanke entlang mit genialen Blicken runter auf den See wieder nach unten zur ersten VP bei Bassano Km 14 zu kommen. Hier mein einziger Kritikpunkt an die Verpflegung: Es gab an jeder der 4 VP exakt dasselbe und das war Schinken, Käse in Scheiben, Reiswaffeln, Aprikosenmarmelade, Zitronenstücke, Bananen, Wasser, Eistee-Zitrone und Pepsi. Zum Glück habe Ich meine Gels und Iso immer dabei, aber gegen Wassermelone, Orangen und gekochte Kartoffeln hätte Ich auch nichts gehabt.

 

Weiter kletterte ich hoch zum Stausee Lago Delio, der leider so gut wie trocken ist und zum Passo Forcora 1176m mit der 2.VP bei Km 21.

Von dort führte die Strecke weiter über den Monte Sirti (1343m) zum Monte Corbaro (1545m). Jetzt folgte ein langer Downhill runter durch die Steinbehausung Monterecchio (1347m) bis in das Dörfchen Ponte di Piero. Per Brücke über den Fluss Fiume Giona und schon hat man die ditte VP bei der Kilometermarke 30 erreicht. Iso und Gel nachgelegt und ich stieg ein in einen langen Anstieg auf einem alten Saumpfad mit 1442 Stufen - vorbei an der Kapelle Sirta in das Bergdorf Monteviasco. Das Bergdorf ist nur über eine Seilbahn zu erreichen, die im Moment aber außer Betrieb sein soll. Hier am Brunnen wurde nochmal Wasser nachgefüllt und weiter gings bergan zum Passo d' Agario. Er verbindet das Veddasca-Tal mit dem Magliasina Tal auf 1550m in der Schweiz. Mittlerweile hatte es sich zugezogen und es gab einen kurzen Hagelschauer. Kurz danach herrschte aber wieder bestes Wetter.

 

Bis zum Monte Lema (1619m) folgte die Strecke der Traversata Monte Lema - Monte Tamaro, welcher einen der schönsten Höhenwege der lombardisch - schweizerischen Alpen bildet. Von hier oben hat man eine super tollen Blick auf das Tessin mit Lugano und dem Luganersee. Vorbei am riesigen Gipfelkreuz des Monte Lema geht es wieder auf einem traumhaften Downhill runter zum Rifugio Campiglio mit der letzten Verpflegung bei Kilometer 43.

 

Von dort führte der Weg eigentlich nur noch bergab, mit Ausnahme von ein paar kurzen Gegenanstiegen, vorbei an der Alpe Bois, aber immer auf feinen Trails bis ins Ziel nach Maccagno. Meine Zeit summierte sich bei 9 Std 36min, was Platz 112 von 231 Finisher bedeutete.

 

 

 

Fazit:

Das Event ist ein absoluter landschaftlicher Traum-Trail, den Ich wirklich nur Jedem empfehlen kann.

Laut Veranstalter liegt der Asphalt Anteil bei 2%. Und das merkt man. Tolle alte Saumpfade und Bergdörfer mit klasse Ausblicken auf See und Landschaft.

Im Ziel gab es ein gratis Nudelessen mit einem Getränk. Für mich hieß es danach, erstmal Duschen gehen und ab nach Luino eine leckere Pizza futtern, im Supermarkt ordentlich Getränke holen, ein Eis essen und bei milden Temperaturen noch am See ausruhen.

 

Am nächsten Morgen folgte noch eine Runde zum Auslockern vor der Heimfahrt.  Von Maccagno zum Monte Formica (711m) und durch das Bergdorf Agra bin ich wieder an der Alpe Bois rausgekommen und noch mal den tollen Trail bis ins Ziel von gestern gelaufen. Insgesamt 27Km mit 1400Hm in 4 Std.

Noch mal eine Pizza und Getränke nachladen und leider wieder ab nach Hause. Was schwer fiel bei 22 Grad und Sonne.

 

 

Was man noch sagen sollte: Die Beschilderung der Wanderwege ist dürftig, teilweise überhaupt nicht vorhanden auf den Wanderwegen/Trails. Besser man sucht sich vorher schon eine Route aus und lädt sie auf ein GPS Gerät oder hat eine Karte dabei. Der Trail selbst war perfekt markiert, verlaufen war fast unmöglich.