· 

Die Zukunft der Alpen beginnt in Afrika

 

So abwegig dieser Titel vielleicht klingen mag, ist er gar nicht. Der Alpentourismus und die dazugehörige Erschließung unserer Heimat nimmt inzwischen Ausmaße an, die nicht nur für Zustimmung sorgen. Nur eines ist sicher: Wir können so lange reden wie wir wollen, nur ändern wird sich am Zustand der Alpen nichts, wenn wir nichts tun. Die Tatsache, dass die Alpen sehr sensibel auf jede Veränderung reagieren, sollte uns ja nicht nur jetzt bewusst werden. Ungeachtet der Folgen werden zwar Projekte zum Erhalt der Schönheit unserer Heimat auserkoren, aber nur, um sie dem Gast in perfekter Manier näher zu bringen. Doch schaut man hinter die Kulissen dieser Fassade, erkennt man, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Wie kann man es sich sonst erklären, dass in heutiger Zeit die auch noch am weitesten entfernte Hütte im Nationalpark/Biosphärenprojekt mit einem Diesel-SUV versorgt wird, obwohl es lange schon andere Möglichkeiten gibt. Genau dort, wo man Werbung für Nachhaltigkeit und saubere intakte Umwelt macht, trifft man auf das genaue Gegenteil. 

Markus Gust
Markus Gust

 

Wir leben im Zeitalter der Elektromobilität und der Start-Ups, die sich auch Gedanken um die ökologische Mobilität in unwegsamem Gelände machen. Eine dieser Firmen ist EVUM Motors, entstanden aus einem Forschungsprojekt der Technischen Universität München. Allein schon die Tatsache, dass dieses Fahrzeug eigentlich für Afrika und die dortigen Verhältnisse erdacht wurde, hat es in sich. Der Grundgedanke, dieses – ich nenne es mal „Pinzgauer elektrisch“, damit man sich etwas vorstellen kann – Fahrzeugs besticht durch die Tatsache, dass es nur Komponenten beinhaltet, die man auch wirklich braucht. Ein Arbeitslasttier, das durch Allrad, große Reichweite, Kraft ohne Ende und eine immense Tragfähigkeit allein schon durch die vorhandenen Eckdaten überzeugt. Nicht nur in Afrika, sondern auch hier in den Alpen.

 

 

Ich kam bereits 2013 mit dem „aCar“ durch meine Verbindungen zur TUM in Kontakt und konnte die Entwicklung deshalb gut mitverfolgen. Doch bis sie jetzt endlich ein für den europäischen Markt taugliches Fahrzeug auf die Füße stellen konnten, dauerte es Jahre. Im August 2017 wurde EVUM Motors GmbH gegründet und schon einen Monat später standen sie damit auf der IAA. Zwei Jahre später kamen sie wieder zur IAA, nur diesmal mit dem finalen Design und die Weltpresse wurde darauf aufmerksam. Inzwischen gab es zahlreiche Tests und die Homologation bis März 2020 läuft bereits. Start der Produktion beginnt offiziell im Q2 2020, doch wir durften schon vorab einen Blick auf  das fast fertige Produkt werfen.

Markus Gust
Markus Gust

 

München, 24 Oktober 2019, pünktlich um 14 Uhr wurden wir bereits von Herrn Dietz, dem Leiter Vertrieb & Marketing und seinem Kollegen im „Showroom“ erwartet. Nach einer kurzen Vorstellung ging es auch sofort zum Fahrzeug. Zu unserem Glück befanden wir uns hier sozusagen in der Entwicklungswerkstatt und konnten die verschiedenen Entstehungsphasen vom aCar begutachten. Interessanterweise durften wir alles sehen und auch Fotos machen, denn man muss wissen: dieses Fahrzeug kann man danach als versierter Schrauber selbst reparieren. Der einfache, übersichtliche Aufbau und die dazugehörigen Pläne werden dem Benutzer die Arbeit daran sehr erleichtern.

 

 

Andere Anbieter im Bereich E-Auto gehen in Zukunft ja den gleichen Weg, doch das aCar ist das einzige Fahrzeug mit einem Einsatzbereich, der weit über den normalen Straßenverkehr hinausgeht. Ein Geländefahrzeug, das mit Allrad und einer Breite von 1,50m auch vor schmalen Almwegen nicht zurückschreckt und dabei noch hochgerechnet 50 volle Bierträger auf der Ladefläche hat. Wem das immer noch nicht genügt, der kann die gleiche Last (genauer gesagt 1 Tonne) nochmal anhängen. Durch die modulare Bauweise kann man ihn nicht nur mit Pritsche, sondern auch mit  Kipper, Kastenwagen oder Planwagen bestücken. Kommunen werden jubeln, denn nicht nur das kommunale Dreieck ist dran, sondern – ganz wichtig! – eine Heizung für Sitz und Scheibe. Die Werkstatt wird sich freuen, denn wenn's mal kracht, bekommt man in Zukunft die Ersatzteile bei BayWa oder, da EVUM seinen Sitz in München hat, man kommt selbst vorbei, wenn's mal schnell gehen muss. Wie ich erfuhr sind viele Verschleißteile Standard und deshalb über die bereits bekannten Vertriebswege erhältlich. Obwohl man das aCar ziemlich aufpeppen kann, bleibt der Grundgedanke der Einfachheit immer bestehen, denn: Was nicht dran ist, kann nicht kaputtgehen. Die Elektromotoren sind bereits millionenfach bewährt, das Laden geht sogar an einer 22kW-Ladesäule, die Reichweite ist mit bis zu 200km üppig, wenn man daran denkt, wieviel Kilometer man wirklich am Tag damit abspult. Nicht zu vergessen, dass man bei JEDER Bergabfahrt oder  beim Bremsen die Vorteile der Rekuperation (d.h. Wiederaufladen der Akkus) voll ausnutzt. Auf deutsch: wenn ich mit vollem Akku z.B. zur Anthaupten-Alm fahre, bin ich nach der Talabfahrt wieder voll geladen. Und wem das nicht genügt, der kann bei guter Sonneneinstrahlung auch die Vorteile der im Dach eingebauten PV-Anlage nutzen. Handwerker wird der Umstand freuen, dass man bei EVUM sogar an eine Außensteckdose gedacht hat. Rundum ist das aCar ein gelungenes Projekt, dass uns hier in den Alpen wieder einen Schritt in die richtige Richtung bringen würde. Als ich Herrn Dietz auf die Kosten ansprach, da das aCar noch ein Nischenprodukt ist und deshalb der Preis höher anzusetzen ist als bei einem Massenartikel, erwähnte er nur die Pläne der Regierung. Ab 2020 wird sich in Deutschland ja viel ändern, so wird z.B. auch von einer bis zu 50% Unterstützung für Kommunen die Rede sein und dann wird sich ein Fahrzeugbeschaffer schwer tun, einen Verbrenner unterzubringen. Mich freut es, dass es solche Projekte gibt und deshalb werde ich versuchen, dieses aCar auch bei uns auf die Almen, Kommunen und vor allem der Bevölkerung näher zu bringen. Dies ist nur ein Schritt für saubere Alpen, aber irgendjemand muss ja mal anfangen.

 

Bericht: Markus Gust


Markus Gust
Markus Gust

Markus Gust

ist begeisterter Trailrunner, Extremsportler, E-Autotester, Bergliebhaber

 

 

 

Der aus dem MTB Extremsport (Vertriders) kommende Bergliebhaber baut seit ca. 7 Jahren Trailrunning-Einheiten regelmäßig in sein Training mit ein und genießt dabei die Natur. 

 

Für 2020 ist der TAR und die Tour de Tirol geplant. 

Der Gletschermarathon steht ebenfalls auf seiner Zielliste.

 

Seine Einstellung zu Trailrunning:

Für mich ist Trailrunning mehr!!! Freiheit, Lebensgefühl, Heimat, da wir ja mitten in den schönen Bergen wohnen. Und genau deshalb möchte ich mir das, um jeden Preis erhalten!"