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Half Marathon Des Sables Fuerteventura 2019

4 Tage ( Selbstversorgung ) in der Wüste mit 120km und 2000hm durch den Sand

Hörte sich nach einer interessanten Challenge an, darum habe ich mich schon 2018 beim Veranstalter WAA Ultra für die Chance auf einen günstigeren Startplatz registriert. Nach einem weiteren Versuch 2019 hat es auch wirklich geklappt. Nicht nur ich, sondern auch mein Mühl4Trail Laufkollege Sascha Wobker wurde von WAA ausgewählt, um voll ausgestattet (Kleidung+Rucksack) zum vergünstigten Preis bei diesem Abenteuer teilzunehmen. Da war es schwer dieses Angebot abzulehnen und nach Rücksprache mit meiner Familie sagte ich zu.

Foto: Florian Böttcher

Foto: Florian Böttcher
Foto: Florian Böttcher

Ein Etappennrennen (Transalpine Run 2015) hatte ich bereits gemacht, aber 4 Tage in der Wüste und alles im Rucksack was man dazu braucht immer bei sich tragen, dass war neu. Für die Ernährung fand sich schnell ein Sponsor, leider machte uns der Flug einen Strich durch die Rechnung. Denn nur mit Handgepäck  durften wir keine Flüssigkeiten über 100ml an Board nehmen und somit musste Sascha noch 1 Woche vor dem Start Trockennahrung für uns besorgen. Auch die anderen Pflichtgegenstände wie Feldkocher, Taschenmesser und solche Dinge könnten Probleme beim Flug bereiten, somit hatten wir uns hier teilweise für eine gemeinsame Ausrüstung entschieden.

 

Alles sehr spontan und leider auch nichts vorab getestet. 

(Die LEKI Stecken wurden mir nun nach der 3. Kontrolle in Madrid leider auch noch abgenommen 😥)

Foto: Florian Böttcher
Foto: Florian Böttcher

Am Sonntag den 22.9. war es dann soweit und wir brachen frühmorgens um 2 Uhr auf. Die Gepäckkontrollen klappten, leider war einer der Billigflieger defekt und wir verloren bei der Anreise 3h. Das Abenteuer hatte damit schon begonnen. Auf Fuerteventura angekommen wartete schon der Veranstalter und mit einem Shuttle ging es los ins Hotel. Vorab noch eine Checkliste der Pflichtgegenstände auszufüllen und der tägliche Kalorienplan musste ausgefüllt werden. Am Playitas Resort angekommen, kurz eingecheckt und ab zur Gesundheits- und Ausrüstungskontrolle. Dort gab es auch den GPS Empfänger sowie die Startnummern und das Roadbook mit den bis dahin unveröffentlichten Streckenbeschreibungen. Es waren 9km weniger Strecke, also schon mal ein kleines Willkommensgeschenk. Am Abend des ersten Tages im Sonnenuntergang gleich mal rauf auf das Hotel Hausbergerl. Sehr schöner schroffer Steintrail mit traumhaften Ausblick zur Steilküste und ins Landesinnere. Danach gab es ein gutes Abendessen, Rucksack wurde fertig gepackt und dann ging es ins Bett. Morgens früh auf nochmal alles kontrollieren, danach die letzte Mahlzeit bevor die Selbstversorgung beginnt. Mit dem Bus wurden wir zum Start gefahren. Ca. 450 Läufer aus 35 Nationen, davon 43% Frauen. Ich der einzige Österreicher in dem verrückten Haufen.

Es wurde Ernst, gute Stimmung am Start, mit Musik wurde das Adrenalin gesteigert und ab hinein in die Wüste. Extrem viel Wind, aber der Name Fuerteventura bedeutet nicht umsonst "Starker Wind". Über den ersten Anstieg hinweg ging es einmal quer über die Insel zum Strand und somit in den Sand. Es wurde heiß, in Kombination mit dem Sand und starken Wind etwas ungemütlich. Aber das war ja zu erwarten. 10km entlang der Küste, traumhafte Landschaft, obwohl ich viele Fotos und auch Videos machte kann man das Erlebnis selbst leider nur im Kopf einfangen. Es war sehr anstrengend im Sand zu laufen und trotz Gamaschen kam irgendwie viel Sand in meine Schuhe. Nach einem weiteren Anstieg ging es nun in die richtige Sandwüste von Fuerteventura. Der Wind war unangenehm, jedoch gab es hier ein kurzes Stück ohne Wind und die Hitze war dann noch unerträglicher. Nach 5h endlich im Ziel, das bereits aufgebaute Zeltlager. Zuerst bekam jeder Läufer 5l Wasser und dann sein Zelt zugewiesen. Das Zelt sollte nun für 4 Tage mein Zuhause sein. Den Rucksack reingelegt, Unterlage aufgeblasen und hingelegt. In der prallen Sonne ist es in einem Zelt erfahrungsgemäß eher heiß, also hier würde man die nächsten Tage wohl maximal Nachts seine Ruhe finden. Es fiel jedoch auch gleich ein sehr unangenehmes Geräusch auf, ein krächzendes regelmäßiges Quietschen, ähnlich einer Geige. Der starke durchgehende Wind schüttelte das in der Mitte des Zeltlager befindliche Gemeinschaftszelt aus Metall. Ein Geräusch, schlimmer als ein Bohrer beim Zahnarzt, und dieses war dann auch bis zur letzten Nacht unser Begleiter. Das WC befand sich einige 100m entfernt vom Lager, als hätten die nochmals zusätzlich für mehr Unbehagen sorgen wollen. Nun ja es war definitiv kein Wellnessurlaub.

Foto: Florian Böttcher

Foto: Florian Böttcher
Foto: Florian Böttcher

Zusammen mit Sascha versuchten wir im Windschatten von ein paar aufgestellten Steinen ein kleines Feuer für unsere Mahlzeit zu machen. Der ständig starke Wind arbeitete dagegen und bliess uns dafür noch ständig Sand ins verschwitzte Gesicht und natürlich auch ins Essen und vor allem auch ins Zelt. Nach einer gefühlten Stunde, es wurde auch schon finster, war es Sascha gelungen ein Feuer zu machen. Das Wasser wurde jedoch max. lauwarm, somit gab es Trockennahrung al dente. Aber der Hunger lies es uns schon essen. Zwischendurch gabs aber auch gesunde Obstriegel von RoC-Sports Bio Sportnahrung damit der Magen nicht rebelliert. Danach ins Zelt und ins Bett, am nächsten Tag war die 5.00 geplant für den WakeUp damit man rechtzeitig die Sachen beisammen hat, es musste ja alles wieder in den Rucksack und mitgenommen werden. Die Nacht war grausam, trotz Ohrstöpsel ständig das Quietschen und der Wind schüttelte das Zelt, es gab kaum Schlaf. Ein nächtlicher WC-Gang war zumindest Abwechslung, jedoch war das Zelt als Draufgabe im Laufe der Nacht innen ganz mit Wasser beschlagen und der Sand zusammen mit dem Wasser machte es sehr gemütlich (Sarkasmus). Schon vor 5 Uhr wollte ich einfach raus aus dem Zelt. Der Wind schüttelte die Tropfen vom Zeltdach und ließ es somit regnen, ständig auf das ganze Hab & Gut sowie natürlich auch ins Gesicht. Um 5 Uhr gab es dann Weckrufe mit Rohren, ähnlich den Kampftrompeten bei Herr der Ringe. Das lies einem das Adrenalin wieder steigen. Um 6 Uhr waren wir voll bepackt und bereit für die lange Etappe.

Foto: Florian Böttcher

Einmal rund um die Wüste, 55km 1000hm mit viel Sand. Mit Stirnlampen ging es in der Finsternis los, mit AC/DC Thunderstruck aus den Lautsprechern. Der Sonnenaufgang war wieder wunderschön, doch mit der Sonne kam auch wieder die Hitze. Begleitet wieder vom Wind und Sand. Obwohl ich schon viel längere Distanzen mit weit mehr Höhenmetern gelaufen bin, forderte mich die Strecke sehr. Es gab genug Laben, an denen es aber leider nur Wasser gab. Verpflegung wie Riegel gab es ja nur aus dem eigenen Rucksack. Meine Energie war dem Ende nahe und auch Energiegels, die ich normal nicht zu mir nehme, konnten daran nichts ändern. Immer wieder stehen bleiben, Fotos machen und die Natur geniessen, das half mir dann durch den Tag. Nach ca. 10,5h war ich im Ziel. Man freut sich dann sogar auf das ungemütliche Zeltlager. Sascha war bereits vor mir im Ziel, ihm fiel das Laufen im Sand einfacher und somit war er schneller unterwegs. Er bereitete unser Abendmahl, wieder wie schon gewohnt der Challenge beim Feuermachen und wieder eher lauwarm als warm, aber zum Essen ging es. Im Zeltlager selbst war kein Handyempfang, auf einer Anhöhe am Weg zum WC jedoch funktionierte es gut. Dort hab ich immer wieder mal Fotos auf deb SocialMedia Kanälen gepostet oder mit zuhause Kontakt aufgenommen. Die nächste Nacht brach an, auch in dieser war leider nicht ans Schlafen zu denken.

Florian Böttcher
Florian Böttcher

Der 3. Tag war RestDay, von der Idee her ganz gut, dachte ich. Jedoch ist es auch tagsüber nicht möglich einen Ruheplatz zu finden. Im Zelt war es unerträglich heiss. Das Gemeinschaftszelt, welches auf allen Seiten offen war, bot zwar Schatten, jedoch begleitet vom ständigen Sandsturm konnte man sich dort nicht zur Ruhe begeben. Sascha schaffte es sich in seinem Schlafsack so einzurollen dass er den Widrigkeiten trotzte und somit schlafen konnte, er selbst hatte aber auch Nachts nicht die Probleme einzuschlafen. Davon abgesehen war es für alle eine Challenge diesen Tag vergehen zu lassen. Zum Zeitvertreib gab es ein paar Aktivitäten vom Veranstalter, wie Gemeinschaftsyoga. Der Schlafentzug und das ganze Rundherum nagten an meiner Psyche und der Körper reagierte darauf mit Migräne. Geil! Warum nochmal tut man sich sowas an, natürlich wegen dem Spass an dem Abenteuer (Sarkasmus, schon wieder).

Foto: Florian Böttcher
Foto: Florian Böttcher

Ich wanderte in meinen Skinners (Sockenschuhe.at) durch die Wüste, karge Sandlandschaft mit Millionen Muscheln und zwischendurch immer wieder Knochen von Tieren (hoffe ich). Aber trotzdem hat auch dieser Teil der Natur seine Schönheiten, die ich in den Fotos versuche festzuhalten. Am Ende des Tages gab es noch ein Briefing und als Geschenk des Playitas Resorts kam ein PickUp voll mit CrushedIce und für jeden ein Softgetränk. Das tat der Psyche gut. In der Nacht flaute der Wind endlich ab und es gab wirklich ein paar Stunden Stille, in der ich auch Schlaf fand. 5 Uhr ging es wieder los, alles nass und es musste auch das Zelt abgebaut werden. 6 Uhr waren wir fertig und zu Fuss marschierten wir ca. 2km zu den Bussen, die uns zur letzten Laufetappe brachten. Es ging nochmals zu Fuss rauf zu einem schönen Leuchtturm. Die letzte Etappe war kürzer und auch mit weniger Sand, dafür wieder sehr heiss und mit teilweise noch stärkerem Sturm. Dank der besseren Nacht und der Aussicht auf eine Dusche vor Augen ging es dieses mal zügiger dahin und der letzte Teil bergab über den schroffen Stein liess mich direkt ins Ziel fliegen. GESCHAFFT!

Foto: Florian Böttcher

Direkt ins Zimmer und ab in die Dusche, ach wie schön sowas sein kann. Abends gab es eine feierliches Essen und das Video der vergangenen Tage wurde präsentiert. Sehr schöne Aufnahmen die einem das ganze gleich wieder vergessen lassen. Die letzten beiden Tage waren dann wirklich zur Erholung. Etwas Laufen ohne Rucksack und relaxen am Pool. Das Abenteuer war gemeistert!!!


Foto: Florian Böttcher
Foto: Florian Böttcher

 

 

Bilder & Bericht 

 

 

Florian Böttcher

 

 

Mühl4Trail