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Tor des Géants - 330 km und 24.000 hm

Foto: Timo Vogel
Foto: Timo Vogel

Der Tor des Geants ist ein Nonstop-Endurance-Trailrun-Rennen im Aostatal (Italien), das dort seit 2010 immer Anfang September mit Start und Ziel in Courmayeur stattfindet. Laut Veranstalter hat der Lauf 330 km und 24.000 hm. Am Ende hat jeder Teilnehmer knappe 360 km und an die 30.000 hm auf der Uhr stehen. Man hat 150 Stunden Zeit für die Runde die entlang der 2 Wege Alta Via Nr. 1 und Nr. 2 verläuft. Der niedrigste Punkt des Rennens ist auf 300 m, der höchste Punkt auf 3300 m. Man überquert während des Laufes 25 Pässe (Col) mit über 2000 m. Während des Laufes stehen den Läufern 43 Verpflegungspunkte und 7 Lifebases zur Verfügung.

In den Lifebases kann man solange Pause machen und schlafen wie man möchte. In den VP ist es auf maximal 2 Stunden begrenzt. Durchschnittlich kommen 60% der Starter ins Ziel.  Der Lauf selber schreibt eine minimalistische Pflichtausstattung vor: 1,5-Liter Getränkebehältnis, 2 Rettungsdecken, 1 Becher, Handy, 2 Stirnlampen mit Ersatzakku und seine Ausweis-Papiere. Allerdings wird einiges an Ausrüstung empfohlen mitzunehmen, dafür bekommt man beim Start auch eine 60 l-Tasche ausgeteilt die dann auch in den Lifebases immer zur Verfügung steht. Dort hat man wenn man sie nicht dabei hat seine Regenkleidung, Wechselkleidung, Ersatzschuhe, Stöcke usw. drinnen. In den Lifebases gibt es immer etwas Warmes zu Essen, Trinken, Duschmöglichkeiten und auch genug Schlafplätze mit Weckdienst. Auch Massagen und ärztliche Hilfe bekommt man hier jederzeit. In den Verpflegungspunkten gibt es immer Essen und Trinken. Manchmal auch die Möglichkeit zu schlafen. Allerdings ohne Garantie auf einen Schlafplatz. Ich habe seit ich vor knapp 4 Jahren angefangen habe mit Trailrunning und von diesem Lauf gehört habe, den Wunsch gehabt dort zu starten. 2017 habe ich dann als Probe sozusagen beim TAR getestet, ob meine Beine auch bereit sind mal eine Woche Dauerbelastung zu verkraften. Mit dem Ergebnis, dass es funktionieren kann. 2018 hatte ich dann leider kein Losglück, bin dafür aber bei der Premiere des Swiss Peak 360 gestartet, der auf jeden Fall mit dem TOR vergleichbar ist. Im Februar 2019 hatte ich dann das Losglück und seither freute ich mich auf den Tag im September in Courmayeur und hab auch soviel wie noch nie davor auf einen Lauf trainiert.

Danke an dieser Stelle schon mal an meinen Trainer Stefan Helbig von Arend Training für die tolle Zusammenarbeit. Bei einer 6-Tage-Arbeitswoche mit oft zwischen 9–10 Stunden oder mehr Arbeitszeit, ist es nicht einfach einen Trainingsplan umzusetzen.

Foto: Timo Vogel

Ankunft und Pastaparty

Freitagmorgens ging es zusammen mit meinen Eltern in Richtung Aostatal, nach Courmayeur. 800 km und 8 Stunden Autofahrt lagen vor uns. Um 16:00 Uhr waren wir in der FeWo angekommen. Dort kurz unsere Koffer ausgepackt und dann nach Courmayeur fahren, da dort um 20:00 Uhr der Tor des Glacier zum ersten Mal startete. Zum 10-Jährigen wird es dieses Jahr ein 450 km-Kurs geben dem man per GPS selbst folgen muss. 100 Starter werden dieses Abenteuer wagen. Ich treffe mich dort auch mit Paul und Erwin, 2 Läufer die ich schon von anderen Läufen kenne und die auch mit mir am Sonntag beim TOR starten werden. Es ist einiges Los auf den Straßen der Stadt und überall hängen die TOR-Banner oder Werbung des Laufes. Für die Region Aosta ist der TOR eine Art Volksfest. Der Startbogen für den Tor des Geants ist schon auf der Hauptstraße aufgebaut, das Ziel ist im Dorfzentrum. Wir gehen zum Startpunkt um den 100 Startern des Glacier Laufes

zuzuschauen

BIB Abholung, Tag vor dem Start

Am Samstag konnte man ab 14 Uhr sich die BIB abholen und damit auch die dazugehörige 60 l-Tasche für seine restliche Ausrüstung, die man nicht ständig bei sich trägt während des Laufes, wie z.B. Wechselkleidung, Powerbank usw. Wir sind gleich morgens nach Courmayeur gefahren um noch ein paar Souvenirs wie das Poster, T-Shirt und so weiter zu besorgen, da ich Angst hatte die Dinge sind bis ich ins Ziel komme ausverkauft. Die ganze Stadt war schon voller Läufer und um nicht zu lange in der Schlange zu stehen habe ich mich gegen 13 Uhr auf den Weg in Richtung Eisstadion gemacht, in dem die Startunterlagen abzuholen waren und abends auch die Pasta Party stattfinden würde mit dem Racebriefing. Ich hatte vorsichtshalber schon mal alles in meinem Rucksack, die erste Hilfe-Ausrüstung, Regen-Hose und -Jacke, 1,5 l-Flasks usw. Alles was man am Ende gebraucht hat war seinen Ausweis, sie haben einfach nix kontrolliert und haben es einem sozusagen selber überlassen was man auf den Trail mitnimmt. Also Tasche und Startnummer abgeholt und wieder zurück in die FeWo um die Ausrüstung für die kommenden 150 Stunden in die 60 l-Tasche zu bekommen. In meinem Fall waren des 3x Wechsel-Kleidung, Ersatz Regen-Hose/Jacke, Ersatz-Flask, Stirnlampe, Powerbank, Ersatzschuhe, Essen (Gummibärchen/Powerballs), Kissen und einiges mehr. In meinen Rucksack, den ich von Anfang an getragen habe, habe ich 3x 0,5 l-Flaks, eine lange

Regen-(winddichte) Überhose  (On), Regenjacke (Dynafit), Stirnlampe mit Akku (Petz Nano), Erste-Hilfe-Set, Longsleeve (winddicht) (Dynafit), Stöcke (Leki) verstaut. Der Rucksack den ich benutze war ein Ultimate Direction 14 l. Starten werde ich mit Hoka One One Speedgoat Eva Schuhen, Slab-Short und Dynafit T-Shirt.

Abends ging es dann auf die Pasta-Party mit Racebriefing. Dort saß ich am Tisch mit Paul und Erwin mit denen ich schon beim Swiss Peak und einigen anderen Trails zusammen am Start war. Zuerst gab es eine Schinken/Käse-Platte als Vorspeise und Pasta mit Tomaten-Soße als Hauptgang sozusagen, Wasser stand auch auf dem Tisch und wurde auch immer wieder nachgereicht sobald die Flaschen leer waren. Das Briefing selber war sehr knapp gehalten, das einzige worauf hingewiesen

wurde war, dass es wirklich sehr sehr kalt werden würde Nachts auf den Bergen und auch die Crampons sehr zu empfehlen seien im Rucksack mitzuführen. Gegen 22 Uhr war die Party dann zu Ende und jeder ging heim um nochmal richtig zu

schlafen, an den nächsten Nächte/Tage war ja mit weniger Schlaf zu rechnen :-).

Courmayeur – Valgrisenche (50 km)

Foto: Timo Vogel
Foto: Timo Vogel

Um 11:00 gingen Erwin, Paul und ich in die Startaufstellung. Bis 11:30 hatte man Zeit und bis dahin musste man auch seinen GPS Chip der am Rucksack befestigt war aktiviert haben. Der Startbereich füllte sich langsam aber sicher, nahezu 1000 Läufer würden um 12 Uhr auf den Kurs geschickt werden. Wir gingen in das vordere Drittel, da erfahrungsgemäß es besser war überholt zu werden als überholen zu müssen :-). Pünktlich um 12 ging es dann los und wir liefen wie bei jedem Rennen das Tempo vorne mit. Es ging durch das Ortszentrum, raus aus der Stadt und rauf in Richtung erstem Pass, den Col Arp (2571 m) Das Wetter war bisher noch trocken, leider war aber etwas Niederschlag angesagt und auch die Wolken sahen nicht mehr freundlich aus. Kurz nach Beginn des Aufstiegs hat es dann auch schon zu regnen angefangen. Also kurz die Regenjacke überwerfen, weiter oben würde der Regen dann sicher in Schnee übergehen. So kam es dann auch und ab 1800 m hatten wir dann zum ersten Mal Kontakt mit der weißen Pracht. Es war aber nicht so starker Schneefall und wir sind gut vorangekommen. Oben auf dem Col angekommen verabschiedete sich Paul dann und rannte den Downhill in Richtung La Thuile. Erwin und ich hatten es nicht ganz so eilig. Der Regen lies dann auch schon wieder zum Glück nach

und wir sind kurz nach 15 Uhr in der ersten VP eingelaufen. Dort machten wir nur einen kurzen Halt, etwas trinken, eine Nudelsuppe essen und auf zu den nächsten 30 km bis zur ersten Lifebase über die nächsten 2 Pässe. Erwin und ich versuchten so lange wie möglich den Lauf zusammen zu meistern, da es vor allem in der Nacht angenehmer war nicht allein zu sein. So entschlossen wir dann auch die erste Nacht ohne Schlaf durchzulaufen. Um kurz nach 23 Uhr erreichten wir Valgrisenche. Dort machten wir 45 Min. Pause. Sich etwas

aufwärmen, Pasta essen, Flask füllen und kurze Smalltalks führen. Dort habe ich dann auch Denis (Chef Trailmagazin) getroffen der von Carsten Drilling supported wurde. Und auch Volker konnte ich noch Hallo sagen, er traf ein als wir wieder am losgehen waren. Die nächste Etappe bis zur Lifebase in Cogne hatte es in sich, da sie über 3 Col´s führte die entweder nahe oder über die 3000 m-Marke gingen.

Foto: Timo Vogel

Valgrisenche – Cogne (106,2 km)

Foto: Timo Vogel
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Um 23:45 Uhr verließen wir die Lifebase wieder und machten uns auf um die nächsten 3 Pässe uns zu holen. Lange Hose, Longsleeve und Jacke an, um die Finger warm zu halten auch noch Handschuhe. Im Schein des kleinen Stirnlampenkegels ging es raus in die kalte Nacht, an den

Uphill des Col Fenetre (2854 m). Wie vorausgesagt war die Nacht sehr kalt und auch leider sehr windig. Glück hatten wir, dass es nicht zu eisig oder schneereich war und wir die Crampons nicht benutzen mussten. Oben angekommen

ging es ins Tal in Richtung VP Rhemes-Notre Dame. Dort sich kurz aufwärmen und dann frisch gestärkt den Col Entrelor (3007 m) in Angriff nehmen. Die 16 km waren mit die technischsten auf dem Lauf und wir haben auch gute

5 Stunden für den Up-/Downhill benötigt aber geschafft :-). Um kurz vor 9 Uhr sind wir dann in Eaux Rousse  angekommen. Jetzt war nur noch der höchste Punkt

der Rennens zwischen uns und der nächsten Lifebase, der Col Loson (3296 m). Also ran an die Höhenmeter und die nächsten 25 km hinter uns bringen bis zum ersten Mal schlafen. Der Anstieg ging in scheinbar endlosen Serpentinen nach oben. Ab 400 m unter dem Pass hatten wir auch wieder Schnee unter den Schuhen und ich war froh, dass wir schönes Wetter hatten und

es einigermaßen warm war. Dieses Stück Weg bei Nacht, frostigen Temperaturen und im schlimmsten Falle noch Niederschlag hätte bestimmt einige Probleme mit sich gebracht. Später soll es wohl einen Schneesturm an genau diesem Punkt gegeben haben. So sind wir bei schönem Wetter, blauem Himmel nach etwas mehr als 1 Tag auf dem höchsten Punkt des Rennens angekommen. Ein tolles Gefühl mit traumhafter Aussicht auf die umliegende Bergwelt. Kurz durchschnaufen, die

Aussicht genießen und dann ging es an den fast 30 km langen Downhill in Richtung Cogne. Schnell voranzukommen ist meist bei den Downhills nicht möglich da diese zumindest für mich zu steil, bzw. zu viel Schotter auf dem Trail haben. Da es meist auf der Nordseite die Anstiege hoch ging hatten wir immer Glück, es war im Downhill immer schneefrei. Gegen 17 Uhr errichten wir dann die Lifebase in Cogne und ich freute mich darauf wieder meine Eltern zu sehen, die mich die komplette Strecke über immer wieder supported haben. Die übliche Routine dann in den großen Stationen: erst mal die Uhr und das Handy an die Powerbank anschließen. Dann kurz unter die Dusche, Klamotten wechseln bis auf die Schuhe. Dann Pasta/Kartoffeln essen und was trinken. Und ich gönnte mir hier auch eine Massage für die Beine, das tat richtig gut nach den ersten 106 km. Und zu guter Letzt noch 1 Std. schlafen was auch mal bitter nötig war. Um 20:30 am Montagabend verließen wir dann wieder die Base in Richtung Donnas.

Foto: Timo Vogel

Cogne – Donnas (151,3km)

Wir liefen schon mit Stirnlampen auf dem Kopf aus der Base, das heißt wieder knapp 10 Stunden lang nur den runden Kegel von der Lampe vor dir und nur die Umrisse der Landschaft um dich herum. Wir hatten Glück und es war meist eine schöne klare Nacht, was das Mondlicht verstärkte und du dir vorstellen konntest was für eine Bergwelt um dich herum war. So ging es dann frisch gestärkt an den Uphill, hoch zum Fenetre di Camporcher (2837 m). Es stand nur dieser eine Berg diesmal zwischen den Bases, dafür kam nach dem Uphill auch der längste Downhill des Laufes bis zum niedrigsten Punkt in Donnas, das nur auf 300 m lag. 25 km und 2500 hm bergab. Da freuen sich die Oberschenkel. Aber wir schafften beides gut und beim Downhill haben wir auch wieder einen tollen Sonnenaufgang erlebt. Pünktlich zum Frühstück um kurz nach 9 Uhr treffen wir dann auch in der Livebase in Donnas ein, in der wir uns wieder versorgten und für den nächsten Abschnitt rüsteten. Laut einer Bekannten von Erwin würde es dieser Abschnitt in sich haben, ersten weil er schwer zu laufen sei da sehr geröllig und es nicht überall Schlaf/Rast-Möglichkeiten gäbe. Die Empfehlung war Refugio Della Barma nochmal zu schlafen da man in Niel keine Möglichkeit hätte. Dazu kam noch das es wohl bald anfing zu regnen, hoffentlich nicht allzu stark, und nicht allzu lange. Noch kurz für 1,5 Stunden aufs Ohr gehauen. Schlaf ist extrem wichtig, auch wenn es nicht lange ist, der Körper dankt Dir auf jeden Fall jede Minute und regeneriert sich schneller als man denkt. Nach 4 Std. Pause verließen wir um kurz nach 13 Uhr die Base wieder in Richtung Gressoney.

Donnas – Gressoney (205,9km)

Foto: Timo Vogel
Foto: Timo Vogel

So ging es raus aus Donnas ab in Richtung Refugio Coda (2224 m) wo auch der Mittelpunkt des Laufes war. Ab da ging es km technisch wieder bergab. Mit dem Verlassen der Stadt kamen dann leider auch die ersten Regentropfen, also rein in die Jacke und ein bisschen Walking in the Rain. Wir hatten eh großes Glück mit dem Wetter bisher, da bis auf den Anfang, es bisher immer trocken geblieben ist. Beim Aufstieg zur ersten VP ist dann auch Denis (Herausgeber Trailmagazin) aufgelaufen und mit ihm zusammen setzten wir unseren Weg fort. Es war schee mal eine andere Deutsche (schwäbische) Stimme zu hören und wir redeten über Gott und die Welt. So verging die Zeit auch gefühlt schneller. Der Regen lies auch langsam nach und wir konnten die Trails gemeinsam genießen. Man sah schon von weitem den Kamm auf den es noch zu gehen ist und auf diesem Abschnitt auch zum ersten Mal seit dem Start wieder richtig viele Läufer. So kam es mir zumindest vor. Um kurz nach 19 Uhr waren wir dann im Refugio, dort aßen wir eine warme Suppe und tranken etwas um für die kommenden 8 km gestärkt zu sein. Denis entschied

sich hier für eine Mütze Schlaf, Erwin und ich versuchten noch so weit wie möglich bei Tageslicht zu kommen. Die kommende Etappe war die für mich zermürbendste des ganzen Rennens. Nicht weil es technisch schwierig oder

schlechtes Wetter war. Einfach nur weil der Körper langsam wieder am Limit lief, es nicht 8 km sondern 11 km waren und diese gefühlt nicht Enden wollten. Bei Tag wäre das vielleicht alles anders gewesen. So schleppte ich mich durch die Nacht und versuchte nicht im Laufen einzuschlafen. Kurz vor 23 Uhr erreichten wir dann das Refugio. Ich ging zur Crew die dort für die Läufer zuständig war und fragte nach einem Schlafplatz für uns 2. Die Antwort war ernüchternd, es sind leider keine verfügbar. Puh, das war hart. Ich habe dann kurz mit Erwin gesprochen und ihm den Sachverhalt erklärt. Bin dann wieder zurück um zu sagen, dass wir so bald einer frei wäre bitte den nehmen würden. Die Dame sagte das wäre ok,  allerdings darf man Zurzeit nur 1 Stunde, statt der üblichen 2 Stunden schlafen. Ok, immer noch besser als gar nichts, und ich

bereute es sehr nicht wie Denis davor schon die Gelegenheit zum Schlafen genutzt zu haben. Naja, so Assen wir kurz etwas und kurze Zeit später bekamen wir unsere Betten. Nach dem Wecken saß dann auch Denis wieder im Refugio und

gegen 1 Uhr verließen wir zusammen in Richtung Niel die warme Stube. Die 15 km nach Niel sind ein ständiges Up und Down, selbst wenn man laufen könnte schwer lauf bar, da technisch und steil und bei uns auch noch nass und matschig. Aber 6 Std. später und einen schönen Sonnenaufgang reicher bin ich dann in Niel angekommen. Ich hatte mich etwas von Erwin und Denis abgesetzt, da ich einfach keine Pause beim Gehen einlegen konnte, aus Angst Krämpfe zu bekommen. Dort kümmerte sich freundlicherweise Carsten (Supporter Denis) um mich und versorgte mich mit Cola und Suppe. Erwin und Denis sind dann bald darauf auch angekommen. Denis musste sich hier erst mal wieder ne Mütze Schlaf gönnen, ich war zwar auch sehr fertig aber wollte erst wieder in der Base die noch 1 Col entfernt war schlafen. So gingen Erwin und ich nach kurzer Pause auch gemeinsam wieder los, über den Col Lasoney (2364) zur Base. Die Trails waren hier echt super schön und mit der Sonne kam zum Glück auch die Energie teils wieder und da Erwin etwas bei sich richten musste bin ich die meiste Zeit der Strecke voll allein gegangen. Es waren schöne grüne Trails die ausnahmsweise mal nicht so steil wie sonst sich den Berg nach oben schraubten und auf der anderen Seite wieder ins Tal. Um kurz nach 11 Uhr bin ich dann in der Base angekommen. Dort erst mal Duschen und Massieren. Dazwischen kurz was essen und mit meinen Eltern reden. Erwin war dann auch schon eingetroffen und wir machten aus gegen 16 Uhr wieder aufzubrechen. Also mal 3 Stunden schlafen circa. Ich bin schon bei der Massage immer wieder eingenickt, daran sieht man wie sehr man fertig ist, bzw. seinen Körper strapaziert. Um kurz nach 16 Uhr waren wir beide dann wieder Abmarsch bereit und so ging es los, ab in Richtung Valtournenche.

Foto: Timo Vogel

Gressoney – Valtounenche (239km)

Raus aus Gressoney-Saint-Jean und ab in Richtung Col Pinter (2776 m) auf steilen staubigen Trails, runter nach Champoluc, inzwischen schon wieder mit Stirnlampe. Dort kurz versorgen für die nächste lange Nachtetappe bis zur nächsten Livebase. Also rauf auf den Col di Nana (2770 m). Auf dem Weg nach oben hat irgendwann ein Franzose zu uns aufgeschlossen, bzw. wir ihn überholt, so genau kann ich das nicht mehr sagen. Auf jeden Fall hat Erwin ihn gekannt und so kam wieder ein Gespräch zustande. Er ist wohl auch schon mal den MIUT gelaufen, mit Erwin zusammen die Diagonale auf Le Réunion und wir redeten

über alles Mögliche. So verging die Zeit rasch und wir kamen gefühlt schnell voran. In der VP machten wir dann auch nur kurz Stopp und gingen dann relativ schnell weiter in Richtung Pass. Der Franzose lobte wohl meine Geschwindigkeit bergauf da ich sozusagen die kleine Truppe anführte und mitzog. Das war für mich mal schön zu hören, bergauf liegt mir einfach auch. Der Nachteil meiner Geschwindigkeit zeigte sich dann oben als wir ankamen am höchsten Punkt. Die anderen wollten kurz Pause machen, ich merkte allerdings das sobald ich stehe sich meine Waden/Schenkel verkrampfen und so sagte ich da oben Tschüss zu dem Begleiter und auch zu Erwin und so trennten sich nach knapp 230 km zusammen unsere Wege. An der Stelle nochmal ein großes Dankeschön an Erwin Bauer, 230 km und knappe 80 h zusammen ist eine lange Zeit, es war mir ein Vergnügen. Ab jetzt war ich dann allein unterwegs mit meinem Lichtkegel der Stirnlampe und hoffte so schnell als möglich in Valtournenche anzukommen. Um kurz nach 2 Uhr bin ich dort dann eingelaufen. Das erste Mal seit Beginn des Rennens allein sozusagen. Naja, erst mal kurz rechnen. Es waren noch knappe 100 km und 34 Stunden Zeit um die 120 h zu packen. Der Plan war um 7 Uhr wieder loszugehen und es zu versuchen. Also kurz was essen und dann 3,5 Std. schlafen. Gesagt, getan. Auf Dusche und Massage habe ich verzichtet. Um kurz nach 7 ging es dann mit frischem Elan auf in Richtung letzte Livebase des Rennens und Sub120 Std. ran an die letzten 100 km.

Foto: Timo Vogel

Valtournenche – Ollomont (287,2km)

Raus aus der Base und rauf auf die Trails, der Lauf gegen die Uhr hatte begonnen und ich wollte wenn irgend möglich die nächste Base bei Tageslicht erreichen. So ging ich die Trails in meinem wandernten Tempo bergauf an und die laufbaren Trails bergab versuchte ich in einem für mich und meine Beine möglichen Trap-Tempo zu laufen. Was für mich überraschender Weise auch meist möglich war. So genoss ich die Trails und die Landschaft um mich herum und kam meinem Ziel immer näher. Eine Zeitlang battelte ich mich bergauf mit einem italienischen 3er-Gespann, sie zogen mal die Geschwindigkeit an, dann wieder ich. Am Ende war glaub ich vorne 😉. So ging die Zeit dahin, in Oyace traf ich am Nachmittag ein, dort empfing mich meine Mutter und mein Vater und wir tauschten kurz ein paar Wörter, ich füllte meine Flask nach und dann ging es weiter auf die letzten 10 km und 700 hm bis zur Base. Um kurz nach 20 Uhr bin ich dann schließlich in der letzten großen Lifebase angekommen. Dort bekam ich dann meine Tasche ausgehändigt und sollte mich melden wenn ich schlafen,

duschen ect wollte. Meine Eltern warteten auch schon auf mich und ich entschloss mich dazu hier weder zu duschen, noch zu schlafen und hier auch nichts zu essen. Das Einzige was ich machte war alles was ich nicht mehr für die letzten 50 km brauchte aus meinem Rucksack zu entfernen und meinen Eltern zu geben. So gab ich die Tasche direkt wieder zurück, ab nach Courmayeur damit. Essen bin ich dann in einem Imbiss um die Ecke mit meinen Eltern gegangen, das erste Mal die Woche etwas anderes als Pasta/Suppe sozusagen. Hamburger mit Pommes, hahaha. Es schmeckte wie ein 1a Steak mit Spätzle für mich. Um kurz nach 21 Uhr verließ ich meine Eltern und auch die Base wieder, man sagte mir das in der übernächsten VP die Möglichkeit sei kurz zu schlafen. So machte ich mich frohen Mutes auf, die letzten 50 km und noch

15 Std. Zeit für mein Zeitziel. Ab ins Ziel nach Courmayeur.

Ollomont – Courmayeur (340km; plus circa 15-20 mehr 😉)

Foto: Timo Vogel
Foto: Timo Vogel

Es ging direkt in einen steilen Trail bergauf im Schein der Stirnlampe, aber mit dem Wissen das dies die letzte Nacht des Rennens für mich war. Rauf auf den Col Champillon (2433 m) die 1300 hm unter die Füße genommen. Der letzte Col in der Nacht, das hatte etwas erfreuliches. Ich weiß nicht wie viele schon mal 5 Nächte durchgelaufen sind der Leser, besonders Nächte bei denen man davor wenig geschlafen hat aber man freut sich sehr wenn man weiß das es damit bald ein Ende hat. Bergauf ging es dann auch noch super und ich hatte Energie zum gut voran kommen. Im Downhill

machte sich dann langsam die Müdigkeit bemerkbar und ich musste aufpassen nicht zu stolpern oder auszurutschen. Gegen 24 Uhr bin ich dann bei der VP angekommen.

Eine kleine Hütte im Wald sozusagen. Auf die Frage nach einem Schlafplatz kam dann leider auch die Antwort dass es hier keinen gibt. Das war hart, den der nächste VP ist erst 13 km entfernt. Das hieß knappe 3 Stunden. Wen man schon müde ist sind 3 Stunden alleine eine sehr lange Zeit. Aber es half ja

alles nichts. Ich hängte meine Uhr kurz an die Powerbank, ass ein paar Kartoffeln und machte mich auf den Weg nach Bosses. Hier bin ich sehr glücklich das diese 13 km die wohl leichtesten des ganzen Laufes sind, da sie durchweg auf einer breiten Forststraße entlang gehen, die meist auch ein leichtes Gefälle hat. So bin ich sozusagen schlaftrunken durch die Nacht

geirrt, irgendwann hab ich mein Handy dann zum Ghetto Blaster umgewandelt damit ich nicht einschlafe im Gehen und ich fing auch schon an seltsame Sachen auf dem Weg rund um mich herum zu sehen an. Aber irgendwie hab ich es dann

wohlbehalten in die VP geschafft. Dort kurz etwas warmes Essen (wie immer Pasta) und dann ab ins Bett. Um 3 Uhr war ich angekommen. Um kurz nach 5 ließ ich mich wieder wecken. Um 5:30 machte ich mich wieder auf, die letzten

30 km in Richtung Ziel, ich hatte dort vor pünktlich zum Mittagessen anzukommen. Nun stand sozusagen nur noch der Col Malatra (2936 m) zwischen mir und meinem Ziel. Paul meinte am Sonntag noch wenn man da oben ist hat man es geschafft. Also ab, hoch mit mir auf die knapp 1500 hm im Anstieg. Das Wetter meinte es mal wieder gut mit mir und es wurde ein super schöner letzter Sonnenaufgang bei meinem TOR, den ich beim Anstieg genoss. Zusammen mit dem Schlaf kamen auch die Lebensgeister zurück und ich schraubte mich den Berg nach oben. Vom Refugio Frasati aus sah man den Pass, er ragte vor einem auf wie eine Wand und sah wirklich sehr imposant aus. Noch knapp 4 Stunden Zeit und 20 km to go, also nicht lange Pause machen und rann an den Aufstieg. Ich weiß nicht woher ich die Kraft/Energie genommen habe aber ich flog gefühlt den

Pass nach oben, die Fotographen und andere feuerten einen aber auch mit „forza“ von oben an. Angekommen am letzten hohen Punkt des Rennens hatte man eine super Sicht auf die umliegenden Berge, Täler und ich breitete die Arme aus um die

Welt zu umarmen. Noch 2 Downhills und ein kurzer Uphill trennten mich vom Ziel. Also ran an den ersten Downhill. Am Anfang war der noch sehr steil und an laufen war leider nicht zu denken. So brachte ich ihn so schnell wie möglich hinter mich und kam trotzdem gut voran. Dann der letzte Gegenanstieg des Rennens. Rauf mit uns und dann ging es über wirklich schöne und vor allem für mich laufbare Trails in Richtung letzte VP, den Refugio Bertone. Der Weg und die Trails dahin waren super schön, es sind einem auch immer wieder Leute entgegen gekommen die einen anfeuerten und beglückwünschten. Ich war froh dass meine Beine noch irgendwie in der Lage waren ein laufbares Tempo anzuschlagen und um 11 Uhr passierte ich das Refugio. Dort füllte ich nur noch kurz 1 Flask auf und dann ging es an den finalen Downhill in Richtung Ziel, 6 km und ich wäre ein Finisher des TOR des Geant. Also holte ich nochmal alles aus mir und meinem Körper heraus, lief die Passagen so gut es ging, manchmal auch lieber etwas vorsichtiger, da der Downhill doch einige Stolperfallen aufwies. Aber irgendwie schaffte ich es auf jeden Fall in einer super Zeit (für mich) nach unten und als ich bei den ersten Häusern war rief ich meine Freundin an

und meinte, dass ich es geschafft habe. Die letzten 2 km lief ich dann sozusagen in Trance durch die Straßen von Courmayeur, rein in Richtung Zentrum und ich hatte Tränen in den Augen weil ich diesen Lauf geschafft hatte. Die Leute am Straßenrand applaudieren und gratulieren einem und nach 119:48:18 Stunden hüpfte ich als 141. (5 bester Deutscher/ von 18 Startern sind 11 angekommen)über den Zieleinlauf des TOR´s ein und holte mir meine Medaille ab. Ziel erreicht, erstens den TOR geschafft, und Mega happy auch noch in meiner Wunschzeit von sub120h. Es war ein tolles Gefühl und ich war sehr erleichtert das alles unbeschadet überstanden zu haben.

Foto: Timo Vogel

Meine Eltern empfingen mich und das erste was ich tat war ein Cappuccino im Café beim Ziel zu trinken und ein großes Eis zu essen. Kaffee hatte ich mir unterwegs nicht getraut zu trinken da ich nicht wusste wie mein Körper reagiert und Eis musste einfach sein. Danach sind wir dann zurück in die FeWo gefahren und ich hab mich erst mal geduscht, lange geduscht und es tat wirklich sooo gut. Danach sind wir dann wieder zurück nach Courmayeur gefahren um Erwin zu empfangen. Wir verabredeten uns mit Paul der schon Donnerstagnacht um 22 Uhr im Ziel war.

Foto: Timo Vogel
Foto: Timo Vogel

Erwin lief um 18 Uhr ein, Denis verpasste ich leider, er lief nach 124:24 im Ziel ein. Und auch Volker schaffte es noch bei Tageslicht, am Freitagabend um 19:44, in das Ziel.

 

 

Wir schafften es also alle den TOR X zu finishen, ein tolle Leistung von jedem.

 

 

An dieser Stelle nochmal herzlichen Glückwunsch, ein jeder hat eine für viele wohl nicht vorstellbare Leistung erbracht.

 


Mein Resümee zum TOR des Geants

Foto: Timo Vogel
Foto: Timo Vogel

Ich freue mich den Lauf geschafft zu haben. Wie bereits am Anfang erwähnt war, das mein Ziel seit ich mit dem Trailrunning angefangen habe. Nun kann ich einen Haken hinter dieses Ziel machen. Es ist eine Erfahrung fürs Leben. Man geht definitiv an seine Grenzen, sei es körperlich oder mental. Ich denke, dass für diesen Lauf das mentale wichtiger ist als das körperliche. Die Nächte mit wenig oder keinem Schlaf zermürben einen, umso wichtiger war es für mich immer mal wieder bekannte Gesichter, wie meine Eltern, zu sehen. Körperlich ging es mir zum Glück meist gut, ich hatte nie Magenprobleme. Natürlich haben irgendwann meine Knie angefangen zu schmerzen, aber mit etwas Tape und Zähne zusammen beißen ging auch das. Die letzte Nacht war die einzige in der ich nicht wusste wie ich einschlafen sollte, da egal in welcher Position, die Beine schmerzten. Aber ich denke, dass das normal ist nach dieser Belastung. Was ich nicht so toll fand, war das es bei einigen VP kein Isogetränk zum Nachfüllen der Flask gab, und auch keine Riegel oder Gels. Cola konnte ich nach dem 2ten Tag nicht mehr trinken und ansonsten gab es meist nur Tee oder Wasser. Und auch etwas mehr Abwechslung bei den Speisen wäre toll gewesen, jeden Tag nur Pasta mit Tomatensoße oder trockene Kartoffeln sind auch nicht so super. Zum Glück hat mir meine Mutti mal Pizza besorgt und 1mal war ich Burger/Pommes essen. Schade fand ich, dass man unterwegs, wenn man auf  andere Läufer aufgelaufen ist so gut wie nie begrüßt wurde, bzw. zurück gegrüßt wurde. Man musste sich auch regelrecht vorbeidrücken, da einem obwohl man schneller war, nicht Platz gemacht wurde. Und bei diesem Lauf geht es sicher nicht um die 10 Sek. die man verliert wen man kurz an die Seite geht. Auch habe ich noch nie so wenig Läufer während des Rennens kennengelernt wie bei diesem. Kann natürlich auch nur mein Eindruck sein, aber für mich war jeder irgendwie in seiner eigenen kleinen TOR-Welt. Was ich toll fand, war das die ganzen Einheimischen, Touristen ect. die einem unterwegs begegnet sind einem zugejubelt, anfeuert und motiviert haben. So etwas baut einen auf und pusht nochmal zusätzlich. Und dort wusste jeder, dass du gerade das Rennen läufst. Auch in den Versorgungspunkten waren alle Helfer sehr freundlich und hilfsbereit. Für mich persönlich war dann noch der Abschluss etwas daneben, die Abschlussfeier. Die Jahre davor hat man immer eine Jacke bekommen, dieses Jahr gab es ein T-Shirt, das wie ich finde absolut nicht als Finisher-Andenken geht. Die Jacke war diesmal im Starterbeutel dabei. Hat also jeder bekommen. Dafür gab es dieses Jahr zum ersten Mal eine Medaille. Und wenn man dann circa 3–4 Stunden in einer Halle steht und auf sein Shirt wartet, da nur Bier auszuschenken, ist nun auch nicht das Gelbe vom Ei. Wenigstens Wasser wäre toll gewesen. Aber Gut, der Lauf ist geschafft. Das ist das Wichtigste. Ich wollte ihn in 120 Std. schaffen, auch das habe ich (entgegen mancher Meinung, dass das für mich nicht schaffbar sei) geschafft. Ob ich ihn nochmal mache? Ich weiß es nicht. Ich persönlich werde eher den Swiss Peak 360 nochmal laufen, vor dem TOR, da ich diesen auch für schwerer halte und ihm einfach nochmals eine Chance geben möchte, da beim ersten Mal vieles nicht so toll organisiert war. Ich habe auf jeden Fall einiges mitgenommen von diesem Lauf, positives wie auch negatives und freue mich auf eine tolle neue Laufsaison 2020. Kann sein das ich manche Sachen vergessen habe, sollte jemand Fragen haben über den Lauf, oder an mich selber, einfach gerne melden.

 

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Danke für die Geduld das Ganze zu lesen.

Timo Vogel