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GGUT 2019 - AUF EIN NEUES

Andreas Hümmer beim GGUT 2018 

Foto: Sportograf

 

Kaprun, Freitag den 27.07.2018 18:00. Gemütlich, bei bestem Wetter sitzen wir beim Italiener.

Eine Pizza und eine extra Portion Nudeln als Vorrat für die kommenden ca. 24 Stunden stehen vor mir, als es das erste Mal zu Donnern beginnt. Kein gutes Omen, aber bis zum Start sind es ja noch einige Stunden also egal.

Am Rückweg zum Hotel schüttet es dann was runter geht, also nochmal kurz ausruhen und hoffen, dass das Wetter sich bis zum Start bessert.

 

Nach den üblichen Vorbereitungen hat es dann pünktlich zum Beginn des Rennens aufgehört zu regnen, wir laufen in die vom Blutmond erleuchtete Nacht. In der Dunkelheit geht es über Fusch weiter nach Ferleiten.

Und dann, ja dann geht es erst mal nur bergauf, erst über Wege und Geröll, danach über ein nicht enden wollendes Schneefeld.

 

Für manche Teilnehmer vielleicht besser, dass die Steilheit durch die Nacht nicht wirklich erkennbar ist?

In der Morgendämmerung erreiche ich das Glocknerhaus, bisher geht es mir gut, alles läuft nach Plan – Hatte ich überhaupt einen Plan?

Essen, Trinken und weiter.

 

Ein kurzer Abstieg zur Staumauer, der Streckenposten spricht mich an, ob ich seiner Kollegin die 500 Meter weiter vorne steht nicht die Thermosflasche mitbringen kann. Es ist ziemlich kalt.

Danach geht es in den nächsten Anstieg, nicht mehr ganz so steil wie vorher aber lang und zermürbend.

Ich komme ins nachdenken, merke, dass ich müde werde. Die Blicke auf den von der Morgensonne angeleuchteten Glockner ermuntern mich weiter zu laufen. Kurz unterhalb der Pfortscharte ist es dann so weit.

Mein Magen rebelliert.  Einmal, zweimal, dreimal… Alles muss raus.

 

Im Abstieg zur Lucknerhütte spiele ich mit dem Gedanken auszusteigen (zu dem Zeitpunkt dachte ich die Verpflegung ist am

Lucknerhaus, welche mit dem Auto erreichbar wäre).

Als ich an der Lucknerhütte bin und erkenne, dass hier die Verpflegung ist, versuche ich meine Speicher wieder aufzufüllen. Vorsichtig taste ich mich an Orangen und Cola, scheint zu funktionieren also weiter nach Kals, dort wartet die Family.

 

Mittlerweile ist es sehr warm. Sonne und strahlend blauer Himmel.

Ich komme wieder besser in Tritt und schaffe die ca. 11km nach Kals problemlos.

Das mit dem DNV ist gestrichen.

 

In Kals gönne ich mir eine komplette neue Garnitur Klamotten und 30 min Pause. Etwas Nudeln und Flüssigkeit ohne Ende.

Die nächsten zehn Kilometer sind technisch sehr einfach zu laufen, größtenteils geht es über Schotterwege zum Kalser Tauernhaus wo ich meine Flaschen wieder auffülle und das Terrain allmählich wieder alpiner wird.

 

Über verblocktes Gelände geht es hinauf Richtung Berghotel Rudolfshütte.

Dort gibt es wieder Nudeln und einiges an Verpflegung.

Immer mehr Läufer steigen aus.

 

Mir geht es den Umständen entsprechend gut, also weiter zum Kapruner Törl.

Erst ein paar hundert Höhenmeter bergab und dann bergauf, es wird immer technischer, was mir zugutekommt.

Am Törl beginnt es langsam wieder zu regnen, ein Bergwachtmann ermahnt mich zur Vorsicht, ermutigt mich aber gleichermaßen, dass es ab jetzt „nur noch“ bergab geht.

 

Wer sich denkt, dass war es jetzt, ist falsch gewickelt.

Durch ein Feld von Felsbrocken so groß wie die SUV’s der Münchner Schickeria geht es hinab zu den Kapruner Hochgebirgsstauseen.

Mittlerweile regnet es in Strömen und ich trabe zur Verpflegung an der Staumauer.

Der Regen hat mir meine komplette Energie genommen. 17 Kilometer noch ins Ziel.

 

Ich schreibe eine kurze Nachricht, dass ich gern eine Pizza im Ziel hätte und laufe los, über einen Mix aus Steigen und Straße kommt man hinunter ins Tal um dann noch einmal knapp 7 km relativ flach nach Kaprun ins Ziel rollen zu dürfen.

Von der Finisher Party ist leider nicht mehr viel übrig aber dafür hab ich ja Pizza!!!

 

Was soll man sagen, 110km 6500hm teilweise extrem technisch.

Die Quali-Rennen machen meiner Meinung nach absolut Sinn wobei die DNF-Quote trotzdem noch sehr hoch war.

 

Auf ein neues 2019 

 

Bericht: Andreas Hümmer



Foto: Andi Frank